1000 Gesichter eines Helden: Warum Storytelling Menschen fesselt und verkauft
Ohne Joseph Campbell kein König der Löwen: Wie die Heldenreise seit Jahrtausenden Geschichten prägt – und wie du sie für dein eigenes Marketing nutzt.
StorytellingMarketingVerkaufspsychologie
Facts tell, stories sell – und wenn deine Geschichte mit Verkaufspsychologie gebaut ist, brennt sie total.
Shownotes
Darum geht's
Ohne Joseph Campbell wäre König der Löwen nicht das geworden, was er ist. Matthias erzählt die Urgeschichte des Storytellings: Wie ein Literaturprofessor Mythen aus aller Welt untersuchte, daraus die Heldenreise ableitete – und wie Disney diese Struktur genutzt hat, um aus einem drohenden Flop einen Klassiker zu machen.
Die Heldenreise in Kürze
- Drei Abschnitte – Trennung/Aufbruch, Herausforderung und Initiation, Rückkehr mit dem Elixier.
- 17 Unterabschnitte, die Joseph Campbell aus Mythen, Religionen und Legenden weltweit destilliert hat.
- Drei Punkte, die für dich zählen – der Ruf (etwas soll sich verändern), der Mentor (das bist du!) und die Rückkehr mit dem Elixier, um von der Erfahrung zu erzählen.
- Von Campbell zu Disney – Christopher Vogler verdichtete die Heldenreise 1985 in einem siebenseitigen Memo auf zwölf Stufen – die Blaupause hinter König der Löwen.
Wie du sie für dich nutzt
- Facts tell, stories sell – dein Klient hat ein Problem, sucht eine Lösung und einen Mentor. Das bist du.
- Oxytocin, Cortisol, Dopamin – gute Geschichten lösen echte, messbare Hirnchemie aus, die Vertrauen, Fokus und Freude erzeugt.
- Der Werbeblocker im Kopf – Geschichten umgehen ihn, weil unser Gehirn Geschichten liebt und sie sich leichter merkt.
Kapitelübersicht
- 00:00 – Joseph Campbell und die Entdeckung der Heldenreise
- 02:15 – Von Christopher Voglers Memo zu König der Löwen
- 04:33 – Deine eigene Hero Story: Klient, Problem, Mentor
- 06:53 – Warum Storytelling im Gehirn wirklich wirkt
Transkript der Folge
Automatisch transkribiert und redaktionell überarbeitet. Kann vom gesprochenen Wort abweichen.
Ohne Joseph Campbell wäre Disney und König der Löwen nicht erfolgreich. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Psychologie, die verkauft, mit mir, Matthias Bullmahn. Und heute schauen wir uns das Thema Storytelling an, und zwar die Anfänge des Storytellings. Wir fragen uns ja manchmal, warum wir Filme so gut finden, warum wir Werbung gut finden – also wenn wir sie gut finden, viel gute Werbung gibt es ja größtenteils nicht.
Überleg mal, wann du das letzte Mal eine Werbung gut fandest und wieso. Schreib es mir gerne in die Kommentare oder schreib mir eine E-Mail, du weißt ja, wie du mich erreichst. Und am Ende des Tages ist das zurückzuführen auf einen Menschen, nämlich den Literaturprofessor Joseph Campbell – den Namen muss ich immer kurz ablesen, sonst vertu ich mich. Das ist der Mann, der den Helden entschlüsselte. Er wollte nämlich den Monomythos, also die Heldenreise, entschlüsseln.
Und ist dann eben in alle Herren Länder der Welt gegangen und hat sich Mythen, Religionen und Legenden weltweit angeguckt. Und heraus kam eine Struktur: drei Abschnitte. Trennung oder Aufbruch, Herausforderung und Siege im Rahmen der Initiation, und die Rückkehr und Wiedereingliederung in die Gesellschaft, beziehungsweise Rückkehr mit dem Elixier. Also einmal ganz vorne der Ruf, und ganz am Ende die Rückkehr mit dem Elixier – in diesen drei Abschnitten gab es dann 17 verschiedene Unterabschnitte, die ein Held durchläuft.
Drei sind übrigens für uns sehr wichtig. Der erste ist nämlich der Ruf, also wir wollen was verändern. Der zweite ist, wir treffen einen Mentor – Mentor bist übrigens du, nur zur Info. Und Nummer drei: Rückkehr mit dem Elixier, damit wir von den Erfahrungen erzählen können. Und das ist ganz wichtig.
Was hat das mit Disney zu tun? Disney hat einigermaßen gute Filme gemacht. 1985 gab es von Christopher Vogler, einem Hollywood-Strukturierer, ein siebenseitiges Memo auf Basis dieses wunderbaren Buches, dieser Studie von Joseph Campbell –
dass das Ganze auch noch schneller gemacht werden könnte, nämlich in zwölf Stufen. Klar, auch immer diese drei Abschnitte, eine Transformation steht am Ende. Man geht durch drei Abschnitte, aber durch zwölf einzelne Unterpunkte, die eben durchlaufen werden müssen. Ich werde jetzt hier nicht auf alle eingehen – das werden eben viele Menschen, die gestern auf meinem Workshop in Solingen waren, auch noch wissen. Wir haben das nämlich sehr runtergebrochen und für uns selbst und für die Kunden auf ihre eigene Story angewendet. Denn: Facts tell, stories sell. Und wenn deine Geschichte mit Verkaufspsychologie gebaut worden ist, dann brennt sie total. Aber weg vom Marketing über mich selbst, hin zur Geschichte.
Und das Spannende war – die Geschichte habe ich so gehört, ob sie so stimmt, der eine oder andere sagt ja, der eine oder andere sagt nein: Es gab damals inoffiziell ein A- und B-Team. Pocahontas wurde entwickelt, und auch König der Löwen, basierend auf der Hamlet-Story, mit Tieren. Es lief nicht so gut, es drohte zu floppen. Es wurde auch im Probe-Publikum gezeigt, und das war, wie man hörte, nur semi-begeistert. Dann haben sie das Konzept angewendet, und der Rest – König der Löwen – ist dementsprechend auch Geschichte.
Das ist die Geschichte zum Storytelling, und ich kann dir nur empfehlen, auch das Buch von Christopher Vogler zu kaufen, zum Beispiel „A Practical Guide to the Hero's Journey“, das im Grunde auf diesem siebenseitigen Memo basiert. Wenn du ihn googelst, wirst du auch seine anderen Bücher finden, die kann ich nur empfehlen.
Ja, jetzt geht es natürlich weiter für dich: Wie wendest du das eigentlich an? Also erst mal, wenn du die Heldenreise kennst und verstehst, wirst du eben alle Filme schon von Anfang an kennen, wie sie ausgehen. Denn Fakt ist eins: Storytelling verkauft. Das hat ja schon Kollege Campbell auch herausgefunden. Grundsätzlich Grundsatz Nummer eins: Du hast einen Klienten, der hat ein Problem, der braucht eine Lösung. Er sucht einen Mentor – das bist du. Herzlich willkommen. Also zeig, was du kannst, welche Erfahrungen du hast und warum du der oder die Beste dafür bist.
Am Ende des Tages wollen wir zurückkommen, und vor allem ganz wichtig: Sie wollen etwas zu erzählen haben. Genau das darfst du jetzt einfach mal machen. Überleg dir doch einfach mal, wie deine persönliche Hero Story ist. Du hast ja ein Angebot, du bietest ja etwas an – und wie ist eben, von deinem Produkt, von dir persönlich, wenn du das Produkt bist, die Hero Story? Schreib es einfach mal rein.
In diesem Sinne: fünf Minuten heute nur ein bisschen was über Storytelling gelernt. Denn ganz wichtig, Storytelling wirkt eben auch – auf der einen Seite wird Oxytocin, das Kuschelhormon, das haben wir hier unten bei meiner lieben Lisa, freigesetzt, ausgeschüttet. Dann wird natürlich Cortisol, für die Ordnungs-Olga, freigesetzt. Und das ist jetzt nicht irgendwie ein Stresshormon in dem Sinne – also nur ein kleines bisschen, aber es sorgt für Fokus in diesem Bereich.
Und natürlich die Dopaminausschüttung: Bei der Chef-Animateurin wird Dopamin ausgeschüttet. Wie geil ist das denn bitte? Du bist dann irgendwie auch noch zufriedener und glücklicher. Storytelling hat eine tiefenpsychologische Wirksamkeit. Und wenn du sie anwendest, wirst du in den Köpfen der Menschen bleiben. Überleg dir doch mal, wann du das letzte Mal etwas behalten hast – das hat meistens damit zu tun, dass dir eine Geschichte darüber erzählt worden ist, oder eine Geschichte damit zu tun hat. Dann behältst du es besser, das ist dadurch auch leichter abrufbar.
Und das Geile ist: Der Werbeblocker im Gehirn wird umgangen, weil unser Gehirn – danke, Joseph Campbell – Geschichten liebt. In diesem Sinne entlasse ich dich nach sechs Minuten. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, wenn du Bock hast, da mal ganz tief reinzugehen – klar kannst du natürlich den Podcast hier weiterhören, das ist auch wichtig, und ich werde auch auf die einzelnen Phasen zukünftig mal zurückkommen und dort Podcastfolgen dazu machen.
Aber dann lade ich dich ein, zu meinem Podcast, zu meinen Workshops zu kommen. Aktuell sind die einmal im Monat in Solingen, dort finden sie statt – Stand 1. August 2025. Wenn du jetzt im Jahr 2050 diesen Podcast hörst, weiß ich nicht, ob es das noch gibt, nur online oder beides. Aber aktuell gibt es ihn natürlich, sprich mich gerne an. Eine neue Landingpage geht in den nächsten Tagen raus, und dann kannst du dich da auch anmelden.
Das war gestern, am 31.07., eine geile Truppe, und da werden demnächst auch noch einige Bilder bei Social Media gepostet. Und dann bin ich gespannt, was du dazu sagst – jetzt bin ich auf jeden Fall gespannt, was du daraus machst. Schreib mir gerne deine eigene Heldenreise hier rein.
Zusammengefasst also noch mal: Produkt – der Mensch hat ein Problem, will sich verändern, kommt dann in Schwierigkeiten, muss Hindernisse überwinden auf dem Weg dahin. Stell dir vor, wie ich: Ein Mensch will abnehmen, wunderbar. Und am Ende des Tages kommen wir zurück mit dem Elixier, haben unsere Verwandlung durchgemacht, sind wir durchgegangen, und können etwas erzählen. Wie geil ist das denn bitte? Und das wollen wir alle. Und das wirst du auch, denn deine Geschichte ist geil. In diesem Sinne: Habt einen schönen Tag. Tschüss, ciao und auf Wiederschauen. Wir hören uns nächste Woche.