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Folge 03417. November 202514 Min.

Deine Werte zählen null – bis Du handelst

Ein sehr persönlicher Fall aus Matthias' privatem Umfeld zeigt: Werte beweist du nicht mit Worten, sondern mit Entscheidungen, die dich etwas kosten.

MindsetFührungPositionierung
Cover des Podcasts „psychologie, die verkauft" von Matthias Bullmahn

Werte brauchst du nicht definieren. Du brauchst Entscheidungen, die dich etwas kosten – erst dann bist du glaubwürdig.

Shownotes

Darum geht's

Werte brauchst du nicht definieren – du brauchst Entscheidungen, die dich etwas kosten. Erst dann bist du glaubwürdig. Matthias erzählt in dieser Folge einen sehr persönlichen, aktuellen Fall aus seinem privaten Umfeld: einen sexuellen Übergriff in der Familie seiner Partnerin, seine sofortige Entscheidung, hinzuschauen statt wegzusehen – und was das mit Haltung, Positionierung und der Frage zu tun hat, mit wem du überhaupt zusammenarbeiten willst.

Das nimmst du mit

  • Werte zeigen sich in Entscheidungen – nicht in Worten, sondern in dem, was es dich kostet, wenn du danach handelst.
  • Haltung und Positionierung – wer offen zeigt, wo er steht, filtert automatisch die richtigen Menschen und Kunden für sich.
  • Der Blick von außen bricht Muster – ob in einer Familie, einem Unternehmen in der Restrukturierung oder im eigenen Vertrieb: externe Perspektiven zeigen oft erst, wie festgefahren ein System wirklich ist.
  • Konsequenz schafft Vertrauen – klare Grenzen und mutige Entscheidungen sind es, die Menschen langfristig an dich binden.

Kapitelübersicht

  • 00:00 – Der Auslöser
  • 01:26 – Wenn Werte auf Realität treffen
  • 04:28 – Verantwortung statt Wegschauen
  • 06:25 – Die Dynamik des Systems
  • 10:24 – Die Verbindung zur Verkaufspsychologie
  • 12:50 – Glasklare Positionierung durch Haltung
  • 13:10 – Fazit

Transkript der Folge

Automatisch transkribiert und redaktionell überarbeitet. Kann vom gesprochenen Wort abweichen.

Sexueller Übergriff. Was dann passiert ist. Meine Werte.
Guten Morgen, meine lieben Freunde. Es ist so weit: eine neue Folge von „Psychologie, die verkauft" mit mir, Matthias Bullmahn. Und heute müssen wir wirklich mal Tacheles reden. Es gibt ja immer diese ganzen Coaches, die sagen, du musst über deine Werte reden, musst sie beschreiben. Ich werde euch heute einfach mal einen aktuellen Fall erzählen, bei dem jeder von euch da draußen weiß, wo er bei mir dran ist. Das Ganze kann übrigens länger als zehn Minuten dauern.
Und ich sage euch jetzt schon mal: Es gibt grundsätzlich keinen Content zu „Psychologie, die verkauft". Ja, ich werde nachher noch mal den Bogen dahin spannen, aber offen gesprochen ist das jetzt nicht das Thema. Wenn du also heute erwartest, etwas Neues zu Vertrieb, Marketing, Branding und so weiter zu bekommen, dann kann ich dir schon mal sagen: Das wird es heute nicht direkt geben. Allerdings darfst du dir am Ende auch die Frage stellen: Will ich ab heute mit dem Typen zusammenarbeiten oder nicht? Und will ich ihn weiterhören? Sind wir auf einer Wertewellenlänge?
Letzte Woche Freitag, das war der 14. November, sollte ich – ich bin gerade in einem Interimmandat, bei dem ich einer insolventen Firma dabei helfe, eben auch weiter zu existieren, mit einem sehr guten Team aus Anwälten und Insolvenzexperten – von meiner Partnerin gebeten werden: „Kannst du mal eben meine Familie abholen?" Denn unser Sohn hatte am 15. November, samstags, seinen zweiten Geburtstag.
Gesagt, getan. Ich fahre also hin. Es gab dann ein bisschen Palaver, wer mitkommt und wer nicht. Ich bin dann zu den Eltern eines Neffen gefahren, wir sollten zwei Neffen und eine Nichte abholen – sollte die Nichte jetzt mit oder nicht, lirum larum, ein bisschen Palaver. Ich wollte das natürlich schnell klären, weil ich weiterwollte. Angekommen, habe ich das dann in dem Haus diskutiert, und auf einmal stand die Schwägerin – die Frau ihres Bruders – im Raum, ein bisschen zitternd. Man hätte sagen können, es sei einfach kalt.
Jetzt muss ich dazu sagen: Ich war fünfeinhalb Jahre in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, und dort waren auch sexuell missbrauchte Kinder. Ich kann jedem von euch erklären, wie ich das erkenne. Ich sehe das, ich fühle das, wenn ich – mit Verlaub – Scheiße rieche. Dann läuft bei mir ein ADHS-Spezialprogramm los, das auf Überleben ausgerichtet ist. Ich habe erst mal nichts gemacht, war relativ entspannt und habe dann gefragt: „Was ist denn hier los?"
Sie sagte: „Ich will zu der anderen Schwägerin." Meine Partnerin hat einen Bruder und zwei Schwestern; bei der einen Schwägerin waren wir gerade. Ich sage: „Jo, was ist denn passiert?" – „Mein Schwiegervater hat mich angepackt." Und ab dem Zeitpunkt ist nicht nur der Rubikon überschritten, sondern es ist DEFCON 5 wie bei den Amerikanern, und es muss nur noch einer draufdrücken, um die Welt zu zerstören. Da wird bei mir nicht mehr drüber geredet.
Dann passierte Folgendes: Ich sagte, gut, erzähl doch erst mal, was passiert ist. „Mattes, als du mich zu denen gebracht hattest" – man muss dazu sagen, dass sie eine postnatale, also eine nachgeburtliche Depression hat, und sie ist dorthin gefahren, um sich zu entspannen. Ich hatte sie abends, dienstags, so am 12. November dorthin gebracht. Und direkt am nächsten Morgen hat der Schwiegervater – der übrigens auch schon in der frühesten Kindheit meiner Partnerin regelmäßig für Schläge und Drangsalierungen bekannt ist, es war also keine schöne Kindheit – den Arm um sie gelegt und aktiv ihre Brust angefasst. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern richtig hart.
Sie hat dann verschiedene Leute zu Hilfe gerufen, unter anderem ihren Mann. Der sagte, beim nächsten Mal ruft sie die Polizei. Ich so: „What? Nein, sofort!" Das wäre häusliche Gewalt, und der Typ würde erst mal für vierzehn Tage rausfliegen. Weiß sie alles nicht, weil sie nicht so gut Deutsch spricht und mit ihrem kleinen Kind dort ist. Im weiteren Verlauf des Tages hat er dann auch noch das Kind angeschrien und sie beleidigt – alles nicht justiziabel, aber das am Morgen war schon hart.
Das habe ich an dem Freitag rausbekommen. Dann habe ich gesagt: Gut, dann holen wir jetzt die Polizei. Da sagte eine andere Schwester: „Ja, was soll denn dann aus meiner Mutter werden, wenn wir die holen?" Ich sagte: „Sorry, aber was ist das denn jetzt hier bitte für eine Diskussion?" Die junge Dame hat sich dann noch mit ihrem Mann abgestimmt, und danach bin ich mit ihr zur Polizei gefahren.
Auf dem Weg hat sie bitterlich geweint und gesagt, sie sei so schuldig, das sei alles ihre Schuld. Da habe ich ihr gesagt: Über Schuld sprechen wir nicht. Du bist hier das Opfer, und dir muss geholfen werden. Und dass dir bisher nicht geholfen worden ist – auch nicht von deiner Schwiegermutter, die das runtergeredet und sogar gesagt hat, du darfst das noch nicht mal deinem Mann erzählen –, darüber diskutiere ich gar nicht. Das ist eine grenzenlose Scheiße, die da passiert. Das mache ich nicht mit. Also haben wir Strafanzeige erstattet. Uns ist allen klar, dass das eine Aussage-gegen-Aussage-Situation war und dass da wahrscheinlich nichts bei rauskommt, das Verfahren also eingestellt wird.
Darum geht es aber auch gar nicht. Es geht darum, dass dieser jungen Frau gezeigt wird, dass ihr Unrecht getan wurde und dass ihr geholfen werden muss. Als ich sie dann fragte, warum sie sich vorher so seltsam verhalten hatte – ich hatte ja vorhin erzählt, dass ich im Heim war und schon einige Erfahrungen mit Mädchen hatte, die regelmäßig von Eltern oder in „Herrenkreisen" missbraucht worden sind –, sagte sie: „In meiner ersten Ehe wurde ich geschlagen, vergewaltigt, missbraucht." Und auch da habe ihr keiner geholfen. Ich sagte, das sei ja noch schlimmer. Sie war sehr erleichtert, dass ihr endlich mal jemand zuhört und endlich mal jemand hilft. Und genau darum geht es in diesem Moment – nicht darum, ob der Typ verurteilt wird. Ganz ehrlich, das wird nicht passieren. Sondern es geht darum, dass diesem Menschen geholfen wird und ihm gezeigt wird: Ich bin etwas wert, und mir darf geholfen werden.
Ich hoffe, dass ich damit für sie einen neuen Abschnitt mit eingeleitet habe. Wir sind dann zurückgefahren, und dann kam auch die Schwiegermutter dazu. Und das war – ich sag mal so – alles, was man sonst nur aus Filmen kennt, hatte ich da live. Da muss ich mir RTL2 nicht mehr anschalten, liebe Grüße gehen raus an Trash-TV. Sie hat erst mal ganz viele Vorwürfe gemacht, saß da wie ein Häufchen Elend, hat nur geheult und gesagt, sie sei so schuldig. Ich habe ihr gesagt, dass sie das sehenden Auges akzeptiert und ihren Mann in Schutz genommen hat, und dass das im Übrigen unterlassene Hilfeleistung ist, weil ihre Schwiegertochter sich an sie gewandt hatte und sie das runtergeredet und sogar gesagt hat: „Sag das keinem, nicht mal deinem Ehemann."
Der Ehemann war zu dem Zeitpunkt noch im Ausland. Als wir ihn zusammen angerufen haben, sagte ich: „Digga, ich weiß gar nicht, warum du nicht längst auf dem Weg bist." Bei mir würden zwei Dinge passieren: Erstens rufe ich, egal wo ich bin, Leute an, die die Polizei holen und meine Partnerin dort abholen lassen. Und danach brennt die Hölle. Dann komme ich runter, und dann brennt der Kölner Dom.
Er ist jetzt auf dem Weg. Und – auch das ist wieder bezeichnend, jetzt vermischen wir das gleich ein bisschen, ich weiß, unseriös, aber wichtig zu wissen: Dass in dieser Familie seit Jahren einiges im Argen liegt, ist bekannt. Alle beschweren sich, aber keiner macht wirklich etwas. Klassiker. Und dann kam jemand von extern und hat gesagt: Hier ist Schluss, hier muss sich was ändern. Ich bin nicht deren Coach, Berater, Dienstleister oder Trainer, mit Sicherheit nicht – liebe Grüße gehen raus an Tobias Rist, der schon informiert wurde, falls daraus mal ein Mandat wird.
Und jetzt erst hat ein Gespräch stattgefunden, in dem man dieser Mutter gesagt hat: „Mama, wir wollen dich weiterhaben, aber wir wollen mit dem Vater nichts zu tun haben. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Du trennst dich, oder du trennst dich nicht. Wenn du dich nicht trennst, wirst du mit keinem von uns mehr Kontakt haben. Mit keinem. Mach, was du willst – wir brechen den Kontakt sofort ab, weil wir bei dir nicht sicher sind, weil unsere Familien nicht sicher sind und du zusiehst und nichts machst."
Jetzt wollen wir mal gucken, wo sich das hin entwickelt. Spannend ist natürlich, dass sie gar nicht so die Schuld bei sich sieht, sondern sagt: „Ich habe euch so viel getan, womit habe ich das verdient?" Wie gesagt: Auch Täter sind Opfer. Und im Endeffekt – was sie da erlebt hat, was ich da mitbekommen habe – unfassbar. Aber wir können ja nicht jedem helfen.
Na ja, gut, das war im Endeffekt das zweite Mal letzte Woche, dass ich Feuerwehr spielen durfte. Ich bin aber immer noch erschrocken über die Begründungen, warum man keine Hilfe geholt hat. Ganz ehrlich, Leute: Wenn ihr so etwas draußen seht und meint, wir gucken weg – dann hört diesen Podcast nicht. Wir sind dann nicht auf der gleichen Wellenlänge. Wirklich nicht.
Wo Scheiße passiert, gucke ich hin, und ich melde das auch. Ich habe früher sogar meine politische Karriere hintangestellt, weil ich so etwas gesehen habe, und bin sogar in die Geschäftsstelle einer Landesverwaltung einer politischen Partei gegangen und habe dort die scheißverdammte Frauenbeauftragte gemeldet, eine Woche vor der Wahl. Es gibt heute noch Leute, die sagen, Bullmahn ist schuld daran, dass wir ein Prozent weniger Stimmen bekommen haben. Und ich hoffe, es waren noch mehr.
Das geht einfach nicht. Das ist unfassbar. Wir müssen genauer hinschauen, wir müssen mehr Verantwortung übernehmen. Und jeder darf sich hier einmal fragen: Was ist, wenn dir das passiert und keiner tut etwas? Niemand – nicht weil er es böse mit dir meint, sondern aus Scham, aus Angst oder aus sonst etwas. Und diskutiert nicht mit mir: „Ja, aber wenn man das meldet, kann man selbst Ärger kriegen." Ganz ehrlich: Ich kriege lieber einmal mehr Ärger, weil ich etwas vielleicht falsch interpretiert habe, als bei so einer Sache nichts zu tun. Und bisher habe ich immer den Mund aufgemacht – immer. Und es war immer etwas dahinter.
Genau das wollte ich euch heute mitgeben. Und jetzt natürlich die Frage: Was hat das mit Psychologie und Verkauf zu tun? Erstens sind das meine Werte – ihr habt heute mal eine kleine Werteeinheit von mir bekommen, ihr wisst, wo ich langlaufe. Ich hatte letztens zum Beispiel auch einen Fall, bei dem mir eine bekannte Beraterin bei LinkedIn mitteilte – weil ich das Thema Narzissten auch im Handelsblatt hatte, „Wie verhandelt man mit Narzissten" –, dass eine sehr gute Freundin von ihr so einen Fall hat. Der Typ ist beruflich mittlerweile beim Staatsschutz angekommen, sehr krass, und erlaubt sich nur Mist, sodass man ihn aus dem ehemaligen SEK-Umfeld feuern musste, damit er dort keinen Schaden mehr anrichtet – das musste sogar über den Minister laufen. Wirklich Dinge, bei denen man sich denkt: bitte was?
Ich habe dann mit dieser Dame telefoniert und sofort mein Netzwerk aktiviert – zum Beispiel Viviane Albers, Polizistin, die „kugelsicheres Mindset" macht und im Bereich Narzissmusprävention und Coaching unterwegs ist. Eine der Frauen, die selbst sagt: Wenn die Frauen halbtot und halb verprügelt zu mir kommen, kommen sie nie wieder zu mir – Gewalt in der Ehe, Gewalt in der Partnerschaft gibt es bei anderen auch weiterhin, aber ich mache diese Frauen so fit, dass sie nie wiederkommen müssen. Das macht sie mittlerweile auch freiberuflich. Geiles Ding, liebe Grüße gehen raus an Viviane. Mit deiner Sache machst du definitiv eine gute Sache. Ich habe sofort das Investigativ-Team der „Bild" mit informiert, allerdings wollte die Dame so weit noch nicht gehen. Vielleicht kommt das noch. Aber ich sage euch eins – auch Tobias Rist habe ich natürlich als Top-Familienanwalt und Verhandler ins Spiel gebracht. Und das sind Dinge: Wenn so etwas bei mir aufläuft, dann passiert das. Punkt. Ich will nicht irgendwann von einem Femizid lesen und mir eingestehen müssen, dass sich das doch in meiner Umgebung angebahnt hat, dass ich das doch mal irgendwo mitbekommen habe.
Nein: hingucken, Mund aufmachen. In Köln gab es mal eine Antirassismus-Werbung, die hieß: „Arsch hoch, Zähne auseinander." Also: Arsch hoch, Zähne auseinander, macht den Mund auf. Wir gehen nicht nur gegen die AfD, gegen Islamisten und sonst was auf die Straße – wir müssen auch da, wo es unbequem ist, unseren Mund aufmachen. Jeder von euch. Du und du und du. Und ich. Dreizehn Minuten.
Ich schließe damit, dass ich noch mal sage: Ganz oft braucht es eben den Blick von außen – einen knallharten Blick von außen. In dieser Familie hat sich gerade um hundertachtzig Grad etwas geändert, da ist jetzt richtig Alarm. Und genau so wird es auch sein, wenn du mit deinem Sales und Marketing zu mir kommst und wir uns das mal angucken – oder mit deiner Firmeninsolvenz. Da bin ich in der Restrukturierung eben auch dabei, den Unternehmen zu helfen, und da ist „helfen" wirklich das richtige Wort. Von extern reinzukommen ist immer das Beste, Freunde – wirklich immer das Beste.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen geilen Sonntag. Oh, ich muss mich beeilen, mein Freund Thomas Sternkopf hat nämlich gekocht. Liebe geht raus. Und wenn ihr diese Folge hört, dann überlegt euch mal, wo ihr den Mund aufmachen könnt. In diesem Sinne: Habt einen schönen Sonntag. Tschüss, ciao und auf Wiederschauen.