Dieser Fehler zerstört Deine Brand in Sekunden: Warum Deine Community Dich sofort entlarvt
Ein LinkedIn-A/B-Test mit einer befreundeten Content-Creatorin zeigt in Echtzeit, was passiert, wenn du fremde Posts kopierst: Deine eigene Community entlarvt dich in Sekunden. Matthias erklärt, warum Authentizität, Zielgruppen-Sprache und ein simples Credit über Vertrauen oder Shitstorm entscheiden.
MarketingPositionierungKommunikation
Es muss nicht dir gefallen, es muss deiner Zielgruppe gefallen.
Shownotes
Darum geht's
Ein Live-Experiment auf LinkedIn: Zusammen mit einer befreundeten Content-Creatorin, Alexandra Weck, testet Matthias, was passiert, wenn man einen fremden, provokanten Post eins zu eins kopiert. Das Ergebnis kommt prompt – seine eigene Community entlarvt die Kopie innerhalb von Minuten. Matthias nutzt den selbst inszenierten Shitstorm, um zu zeigen, warum kopierte Sprache sofort auffliegt, warum ein einfacher Credit-Link den Unterschied macht und warum es nie darum geht, was dir gefällt, sondern nur, was deiner Zielgruppe gefällt.
Das nimmst du mit
- Kopien fliegen sofort auf – deine Community erkennt fremde Sprache und fremden Jargon in Sekunden, selbst wenn Bild oder Struktur ähnlich sind.
- Adaptieren statt kopieren – lass dich von guten Posts inspirieren, aber schreib in deiner eigenen Sprache und setz ein Credit an die Originalquelle.
- Zielgruppe schlägt Ego – nur weil dir oder Teilen deiner Zielgruppe ein Post gefällt, heißt das nicht, dass deine Zielgruppe eine Kopie davon feiert.
- Menschen lesen nicht, sie scannen – Headline und Bild entscheiden in Millisekunden; wer dort kopiert, wird sofort erkannt.
- A/B-Tests brauchen ein sauberes Setup – teste Varianten innerhalb einer Kampagne, nicht Berater gegen Berater mit fremdem Content.
Kapitelübersicht
- 00:00 – Der A/B-Test: Wie alles mit Alexandra Wecks LinkedIn-Post begann
- 02:25 – Das Museum Plagiarius und was Kopien wirklich kosten
- 04:50 – Warum die Kopie sofort als „nicht deine Sprache" auffiel
- 07:19 – Ein sauberer A/B-Test: Was Du vorher bedenken musst
- 09:39 – Fazit: Bleib authentisch – und wie Du persönlich mit Kritik umgehst
Transkript der Folge
Automatisch transkribiert und redaktionell überarbeitet. Kann vom gesprochenen Wort abweichen.
Du zerstörst deine Brand innerhalb von wenigen Sekunden. Liebe Leute, heute eine sehr persönliche Folge, quasi ein persönlicher A/B-Test. Und ich habe gerade festgestellt, dass ich die letzten vier Folgen nicht mit meinem guten Mikrofon aufgenommen habe, sondern mit dem Handy – das hört man leider ein bisschen. Ich werde es trotzdem nicht neu aufnehmen.
Also, was ist passiert? Alexandra Weck – eine Freundin von mir, Grüße gehen raus – hat einen sehr provokanten Post rausgebracht, bei dem es um KI, Porsche und Keramikbremsen ging. Das war am Sonntag, ich glaube es war der 12., und sie hat mir geschrieben: Matthias, du glaubst gar nicht, wie viel Mansplaining ich hier gerade abbekomme, weil ich angeblich keine Ahnung von Autos hätte – Spoiler: Sie hat mehr Ahnung von Autos als ich, was aber auch nicht schwer ist, weil ich überhaupt keine Ahnung von Autos habe und auch kein Faible dafür, sie schon. Sie sagte: Matthias, das geht gar nicht. Und dann meinte sie: Weißt du was, ich bin gerade im Museum Plagiarius in Solingen, lass uns doch mal einen A/B-Test machen. Gesagt, getan.
Ihr Post hatte fast 30.000 Aufrufe und 50 bis 60 Kommentare, davon vielleicht 40 von echten Fremden – und dazu einen ordentlichen Shitstorm, weil sie gemansplaint wurde. Ich dachte: Mal schauen, was bei mir passiert, wenn ich das Gleiche mache. Sie hatte in ihrem Post gesagt: „Ich frage für eine Freundin" und eine Freundin als Hauptperson genommen. Ich habe gesagt: „Ich frage für einen Freund." Und dann ging es los: Das sei eine miese 1:1-Kopie, das sei KI, das sei dies, das sei das. Alexandra wurde daraufhin sogar angeschrieben: Hey, da kopiert jemand deinen Post, das geht gar nicht.
Und ich sage euch eins: Erst mal Entschuldigung an alle, die ich danach in meinem Feed richtig angegangen bin. Das war so geplant, das war extra so gemacht. Trotzdem entschuldige ich mich natürlich für die Art und Weise – aber ich wollte bewusst noch mal Ragebait erzeugen. Und was ich richtig geil finde: Meine Community ist sofort draufgesprungen. Die haben gesagt: Hey, das ist doch nur eine Kopie, das ist gefaked, was soll das? Manche haben sogar Alexandra Weck direkt informiert. Ich finde das großartig, ich finde das super – genau so muss ein System funktionieren. Wir müssen Kopien dort anpacken, wo sie entstehen, und zwar direkt am Ursprung. Denn nur weil es bei ihr funktioniert hat, ist es bei mir direkt nach hinten losgegangen. Eigentlich hatten wir beide geplant: Komm, lass uns mal schauen, ob ich auch so ein Mansplaining abbekomme. Stattdessen sind sie bei mir draufgegangen und wollten mich regelrecht fertigmachen, weil ich – was ja nicht ganz stimmt, ich hatte ja „Freund" statt „Freundin" genommen – eine Kopie benutzt habe.
Ich war übrigens am Sonntag mit meinen Kindern auch im Museum Plagiarius in Solingen. Und wir alle wissen ja, dass billige Kopien uns letztlich Geld kosten. Es gibt zum Beispiel von Koziol das Produkt „Jack" – ein Specht, der mit seinem Schnabel auf einem Honigglas sitzt und damit den Honig herausholt. Die Entwicklung hat 120.000 Euro gekostet und zwölf Monate gedauert. Die Produktion kostet danach rund sechs Euro pro Stück, und der Gewinn vor Steuern liegt bei ungefähr einem Euro pro verkauftem Stück. Das heißt: Fünf Euro gehen in Entwicklung, Vertrieb, Versand, Margen und so weiter – am Ende bleibt nur ein Sechstel als Gewinn vor Steuern übrig.
Und natürlich wurde das Produkt entsprechend kopiert. Wichtig zu wissen: Bei solchen Kopien ist die Qualität meistens deutlich schlechter. Und wir reden hier über Lebensmittelechtheit – das heißt, es könnten sogar Giftstoffe in den Honig gelangen, je nachdem, was verwendet wurde. Das ist schon schlimm, vor allem, wenn man an Produkte wie Motorsägen von Stihl denkt: Wenn da eine billige Kopie kaputtgeht, sind Menschen sofort in Gefahr, oder es geht etwas in Flammen auf. Und diese Kopien werden dann nicht für sechs Euro verkauft, sondern für drei Euro. Und was glaubst du, was die dann an Gewinn vor Steuern machen? Nehmen wir mal an, sie machen 2,50 Euro Gewinn – das wären fünf Sechstel, während das Original gerade mal ein Sechstel Gewinn vor Steuern hat. Das wäre eineinhalbfach so viel Gewinn wie bei Koziol, obwohl die das Ganze überhaupt erst entwickelt haben. Deswegen dachte ich mir: Jetzt mache ich mal diesen Copycat-Test.
Und genau davon sehen wir mittlerweile ganz viel – ganz viele KI-Kopien. Jemand hat mir dazu ehrlich gesagt: Matthias, klar, das ist ein Klon, das sieht man sofort, dies und das – aber der ist wirklich schlecht gemacht, und ganz ehrlich, das ist überhaupt nicht deine Sprache. Das ist wichtig: Es war tatsächlich nicht meine Sprache. Das wusste ich auch – ich hatte ja ihren Post eins zu eins übernommen, mitsamt ihrer persönlichen Note, für ihre Zielgruppe.
Da war meine Community, und es gab einige, die richtig sauer waren. Einer, Stefan – Grüße gehen raus –, hat mir sogar die Freundschaft gekündigt. Ich bin ihn dann in den Kommentaren auch noch mal richtig angegangen, wofür ich mich mittlerweile entschuldigt habe. Nochmal, Stefan: Entschuldigung dafür. Er hat später auch gesagt, im Kontext sehe die Sache schon wieder etwas anders aus. Ich habe gesagt: Die Entschuldigung kommt hier schon mal, und nachher auch noch mal im Podcast.
Was also solltest du daraus mitnehmen? Erstens: Bleib authentisch. Ja, ich weiß, das Wort Authentizität wird ständig strapaziert. Aber bitte kopiere keine ganzen Posts. Ganz ehrlich: Ich fahre einen Jaguar, sie findet Porsche geil. Ich hätte auch schreiben können: „Selbst Jaguar kann besser KI als du" – danke für den Impuls, Alex, aber das habe ich jetzt nicht ausprobiert, ich bin einfach kein großer Auto-Fan, auch wenn ich einen Jaguar von 2017 fahre; einen neuen brauche ich auch nicht. Ich hätte das also in meiner eigenen Sprache schreiben können. Das heißt: Du kannst durchaus Posts adaptieren, die bei anderen gut laufen – aber dann setz unten einen Credit und schreib: Danke an Person XY für die Inspiration, dazu habe ich noch eine eigene Geschichte. Dann macht das Sinn, und du bekommst sogar noch eine Verlinkung zu jemandem mit großer Reichweite, der vielleicht sogar kommentiert: Hey, war geil, danke. Dann bekommt auch dessen Zielgruppe dich mit.
Und das Nächste, worüber du vorher nachdenken solltest, wenn du einen A/B-Test machst: Überlege dir vorher genau, was du tust. Wir haben einen A/B-Test für zwei verschiedene Zielgruppen von zwei verschiedenen Beratern gemacht. Wenn ich zum Beispiel sage, ich mache den Porsche-Post selbst und dann noch einen für Jaguar, dann variiere ich vielleicht einmal Freund, einmal Freundin, oder ich bleibe beim Porsche und mache einmal Freund, einmal Freundin, einmal „sie", einmal „du" – das kann ich als A/B-Test in der Werbung oder als Post machen. Aber ein A/B-Test von Berater zu Berater kann gut gehen, muss aber nicht. Ob eine andere Frau auch gemansplaint worden wäre, weiß man nicht. Genau darum ging es eigentlich, und es hat etwas ganz anderes gezeigt.
Ich finde das wirklich schön – vielen Dank, Community, dass ihr draufgegangen seid und mich zur Rede gestellt habt. Das finde ich richtig so. Ich mache das im Übrigen selbst auch: Ich kommentiere unter Posts, die ich wiedererkenne, und verlinke die Originalperson oder den Original-Post. Und dann gibt es da draußen genug selbsternannte LinkedIn- oder Copywriting-Experten. Leute, natürlich ist es eine Ehre, kopiert zu werden – aber bitte, bitte lasst das. Es ist nicht euer Jargon, nicht eure Zielgruppe, nicht euer Ding – auch wenn ihr den Post geil findet. Und da sind wir wieder beim Thema „Sie oder Du": Es muss nicht dir gefallen, es muss deiner Zielgruppe gefallen. Nur weil du oder ein Teil deiner Zielgruppe einen Post feiert, heißt das nicht, dass deine Zielgruppe dich feiert, wenn du ihn kopierst. Hat sie bei mir übrigens auch nicht.
Und ich habe mehrfach erklärt – Grüße gehen raus an Shamsi, der ja selbst schon wieder so ein Kopierer ist: Leute, schaut euch das doch mal an, das waren so viele Textvarianten bei unserem A/B-Test, aber die Leute lesen gar nicht richtig. Selbst verkaufspsychologisch ausgebildete Menschen wie Shamsi schauen sich das an, gucken kurz drüber, kommentieren nicht – mache ich im Übrigen genauso: Ich sehe die Headline, sehe das Bild, sehe es bei jemand anderem wieder und denke: Schon wieder so ein verdammter Copycat.
Nochmal wichtig: Die Leute schauen sich nicht den ganzen Feed an und denken: Ah, das ist ein A/B-Test, Matthias macht ein geiles Ding. Nein – die sehen ganz oben das Bild und denken: Kenn ich doch, den Quatsch. Die sehen nicht „Freund" versus „Freundin", die sehen den gleichen Text, das gleiche Bild, oder auch nur das gleiche Bild. Ich selbst schaue mir auch nur die Headline an, und dann ist es entschieden. Wenn mich jemand fragt: Hast du den Text überhaupt durchgelesen? – Nein, in der Hook hast du mich schon verloren, das sage ich dir direkt. Ich lese mir doch nicht den ganzen Text durch. Das ist wichtig.
Also: Nicht kopieren. Bleib bei deiner Zielgruppe, bleib bei deinem Jargon und vor allem bleib authentisch. Und denk daran, dass die Menschen sich nicht alles durchlesen – das hast du an meinem eigenen Post gesehen. So, jetzt habe ich mich richtig in Rage geredet, aber ich will ja auch, dass ihr diesen Fehler nicht macht. Mir hat es im Ergebnis übrigens nicht geschadet: Ich habe wohl fünf Leute verloren, dafür zwei neue Anfragen bekommen. Alles in Ordnung, nicht so schlimm, passt schon.
Bei anderen ist das schlimmer, und die nehmen sowas dann auch persönlicher. Ich nicht so, ich bin ADHSler – wenn irgendwo Stress ist, muss ich eher aufpassen, dass nicht noch mehr Stress dazukommt. In diesem Sinne: Habt eine geile Woche. Tschüss, ciao und auf Wiedersehen.