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Folge 05620. April 202630 Min.

Skandal bei der Weltmeisterschaft im Verhandeln: Was Du daraus für Deine Deals lernst

Ein Sponsor entscheidet über die Jury – und ein Top-Experte fliegt raus. Matthias seziert den TNC-Skandal um Andreas Winheller und das Schranner Negotiation Institute und zeigt, was Macht, BATNA und Fairness in der Verhandlung wirklich bedeuten.

VerhandlungMindsetKommunikation
Cover des Podcasts „psychologie, die verkauft" von Matthias Bullmahn

Wenn jemand einen Juryplatz haben möchte, dann muss er, wie alle anderen auch, die entsprechenden Standards erreichen.

Shownotes

Darum geht's

Ein handfester Skandal aus der Verhandlungsszene: Bei der selbsternannten „Verhandlungsweltmeisterschaft" TNC wird der renommierte Verhandlungstrainer Andreas Winheller kurzfristig aus der Jury ausgeladen – offenbar auf Druck des neuen Sponsors, dem Schranner Negotiation Institute (SNI). Matthias analysiert den Fall anhand von Winhellers öffentlichem LinkedIn-Post und zeigt, wie Sponsoring, Machtverhältnisse und Verhandlungsmacht (Stichwort BATNA) hier zusammenspielen – und warum wissenschaftliche Integrität und Fairness dabei auf der Strecke bleiben.

Das nimmst du mit

  • Sponsoring ist Macht – wer zahlt, will Einfluss, auch auf Personalentscheidungen wie eine Jury-Besetzung.
  • BATNA entscheidet – ohne echte Alternative verhandelst du aus der Schwäche heraus, das gilt für Veranstalter genauso wie für dich im Business.
  • Haltung zahlt auf deine Marke ein – wer öffentlich fair und transparent kommuniziert, gewinnt langfristig Vertrauen, selbst wenn es kurzfristig unbequem ist.
  • Fakten schlagen Lautstärke – wissenschaftliche Standards und Zitierfähigkeit wiegen mehr als lautes Auftreten.
  • Kommunikation im Krisenfall – eine klare, ehrliche Erklärung schlägt jedes Dementi, das später widerlegt werden kann.

Kapitelübersicht

  • 00:00 – Einführung: Was ist die TNC, die „Verhandlungsweltmeisterschaft"?
  • 02:22 – Wer ist Andreas Winheller?
  • 04:48 – Der Sponsoring-Deal mit dem Schranner Negotiation Institute
  • 07:12 – Die Absage: Winheller fliegt aus der Jury
  • 09:07 – Winhellers LinkedIn-Post: Zitate und Hintergründe
  • 11:27 – Wissenschaftsfreiheit vs. wirtschaftliche Abhängigkeit
  • 12:37 – Das BATNA-Prinzip: Warum Verhandlungsmacht zählt
  • 15:16 – Reaktionen aus der Szene: Gary Noesner, Lorenz Wohanka, Dirk Eilert
  • 17:23 – Die Antwort des SNI-CEOs Fabio Falkenstein
  • 21:45 – Fazit: Wissenschaftliche Integrität und Sponsoring
  • 23:47 – Was Du daraus für Deine Verhandlungen lernst
  • 28:06 – Ausblick auf Folge 57: Fairness

Transkript der Folge

Automatisch transkribiert und redaktionell überarbeitet. Kann vom gesprochenen Wort abweichen.

Das Finale der Verhandlungsweltmeisterschaften. Meine Lieben, das wird eine Folge, die länger als zehn Minuten dauert. Ich werde einiges erklären müssen, ich werde auch aus LinkedIn vorlesen. Das heißt, es wird vielleicht nicht immer ganz so flüssig gehen, aber es ist wichtig, dass ich hier sehr klar in meinen Aussagen bin und keinen Angriffspunkt zulasse. Es ist etwas passiert – etwas, das täglich passiert, nichts Besonderes eigentlich. Aber es ist sehr besonders, wie es passiert ist. Und vor allem, welche wirklich grundlegenden Eigenschaften die Menschen zeigen, die daran beteiligt waren. Fangen wir an.
Grundsätzlich: Es gibt die sogenannte TNC, die selbsternannte Verhandlungs-WM der Universitäten. Die war dieses Jahr schon in Paris, war auch schon in Holland, und nächstes Jahr ist sie in Zürich. Dort geht es bis ins Finale für Studententeams ums Verhandeln. Dazu gibt es Jury-Teams, die bei den Teams sitzen und das Ganze nach bestimmten Punkten bewerten. So weit, so unspektakulär – das gibt es seit zwanzig Jahren. Prof. Dr. Remigiusz Smolinski – an der HHL in Leipzig, glaube ich, oder so etwas in der Richtung – macht das seit zwanzig Jahren. Richtig geiles Ding, top Sache.
Ich bin unter anderem bei Andreas Winheller ausgebildet worden. Er ist Verhandlungsmeister und für mich – und für viele andere – einer der führenden Experten im deutschsprachigen Raum für das Thema Verhandeln. Er ist seit über 27 Jahren mit Harvard verbunden und hat dort mit Professoren zusammengearbeitet, außerdem hat er den ehemaligen FBI-Chefunterhändler Gary Noesner mit ins Boot geholt und viele Seminare mit ihm veranstaltet. Wenn du dich mit ihm auf Verhandlungsniveau anlegen willst – gerne, aber er hat die wissenschaftlichen Antworten parat. Er ist extrem wissenschaftlich unterwegs, ein absoluter Nerd in dem Bereich. Du fragst ihn was, und er gibt dir die Studien dazu, teilweise kann er sie mittlerweile schon mit Quellenangabe zitieren.
Es ist schon heftig, was dieser Mann drauf hat. Er hat Milliardenbudgets für seine Kunden verhandelt, ist seit 27 Jahren im Geschäft und ist mit seinem Team eine echte Koryphäe. Ich kenne sein Team auch persönlich, mit einem bin ich befreundet, und ich weiß, dass die Ausbildung zum Verhandlungstrainer bei ihm noch mal ein eigener Track ist – ich selbst bin zum Verhandler ausgebildet worden, glaube ich, sieben Seminare habe ich mittlerweile bei ihm gemacht, oder sechs, ich komme selbst nicht mehr mit beim Zählen. Auf jeden Fall: Er ist einer der Experten. Und Andreas hat in den letzten Jahren die Endrunde der TNC immer als Jurymitglied unterstützt. Auch dieses Jahr sollte er eigentlich wieder in die Jury berufen werden.
Und jetzt ist Folgendes passiert. Für solche Veranstaltungen ist es schon gut, einen Sponsor zu haben – das sind keine günstigen Events, und um das Ganze auf ein höheres Level zu heben, braucht man etwas Geld. Ich kenne die Strukturen dort nicht im Detail, ich weiß erst seit letztem Jahr, dass es diese Weltmeisterschaft gibt, verfolge das ein bisschen und finde es super für Studenten. Dieses Jahr gibt es einen neuen Sponsor: das Schranner Negotiation Institute. Wenn ihr bei Google „Verhandlungsausbildung" eingebt, werdet ihr dort größtenteils auch Matthias Schranner finden.
Jetzt muss ich sagen: Andreas ist, wie gesagt, ein absoluter Nerd, und auch von seinen Werten und seiner Haltung her sind das für ihn keine Nebensächlichkeiten. Er ist ein extrem fairer Mensch. Er tut etwas für Menschen, die weniger haben – wenn also jemand weniger Geld hat, macht er ihm ein Sonderangebot für seine Workshops, weit unter dem normalen Marktpreis. Das kann er sich leisten, weil er gute Kunden hat und gut verdient; seine Ausbildungstermine sind in der Regel ausgebucht. So viel dazu. Zwischen ihm und Schranner gibt es, ich will nicht sagen Feindschaft, aber eine kleine Rivalität. Es gibt ja diese fast religiöse Frage wie „Sie oder Du" – und hier ist es eben das Thema Win-Win: ja oder nein. Und da liegt Andreas mit Matthias Schranner etwas über Kreuz. Schranner, beziehungsweise das Schranner Negotiation Institute, ist kein Fan der Win-Win-Methode, er ist da eher anders unterwegs – das ist erstmal unbewertet, das ist einfach so, und er ist ja auch erfolgreich mit seinem Ansatz. Wissenschaftlich, sagt Andreas allerdings, seien viele von Schranners Aussagen nicht überprüfbar oder schlicht nicht korrekt – das könne er auch belegen. Und wenn entsprechende Posts kommen, ob von Matthias Schranner selbst oder vom Schranner Negotiation Institute, dann kommentiert Andreas das entsprechend. Man mag das mögen oder nicht – mit ihm in einen fachlichen Diskurs auf einem bestimmten Niveau zu gehen, würde ich niemandem empfehlen, da ist er manchmal so nerdig, dass man denkt, jetzt ist Schluss, und dabei fängt er gerade erst an. Man mag ihn mögen oder nicht, aber fachlich ist er korrekt: Er zitiert richtig, er holt sich die wissenschaftlichen Studien raus. Punkt.
Und jetzt ist es so gekommen, dass das Schranner Negotiation Institute die ganze TNC – also diese selbsternannte Verhandlungs-WM – sponsert. Und vor drei Tagen, also am 10. April, hat Andreas geschrieben, dass er vom Finale der Verhandlungs-WM ausgeschlossen wurde, weil Schranner das wohl verlangt hat. Ganz wichtig: „wohl" steht da drin. Schalke war wohl auch mal Meister – bis der Schiri dreißigtausend Minuten weitergespielt hat, bis die Bayern noch das Tor geschossen haben. Das „wohl" ist also wichtig. Ich persönlich weiß nicht, ob Schranner selbst davon überhaupt wusste – dazu komme ich gleich noch. Fakt ist: Das Schranner Negotiation Institute sponsert das Ganze jetzt, mit einem sehr hohen Betrag. Erstmal ist das völlig in Ordnung, und wir wissen alle: Wer sponsert, hat auch eine Erwartungshaltung. Er will seine Banner sehen, seine Logos, es gab wohl ein Judges-Dinner, einen Abend, an dem er eine Ansprache gehalten hat – alles normal. Und natürlich kann man sich, im Gegensatz zu anderen Sponsoren, die vielleicht weniger Budget haben, auch etwas opulenter platzieren. Alles bis dahin in Ordnung, auch wenn man sagt: Ich hätte gerne einen Platz in der Jury und bringe fachlich gute Leute mit. Das finde ich immer wichtig – wir reden hier immerhin von einer Hochschule, da gibt es einen wissenschaftlichen Standard, und man muss sagen: Wenn jemand einen Juryplatz haben möchte, dann muss er, wie alle anderen auch, die entsprechenden Standards erreichen.
Vor ein paar Wochen kam dann die Absage vom Organisator Remigiusz Smolinski. Andreas schreibt dazu, dass Remy ihm mitteilte – ich zitiere: dass man sich seitens SNI, also des Schranner Negotiation Institute, entschieden habe, ihn bei der TNC 2025 – hier steht in dem Post zwar 26, aber gemeint ist 25 – dieses Mal nicht einzubinden, das tue ihm wirklich sehr leid. Das heißt: Es gibt einen Sponsor, der gesagt hat, hier ist Geld, aber wir müssen noch mal über die Jury sprechen – und der dann wohl gesagt hat: Winheller nicht. Warum auch immer, ich weiß es nicht, die beiden haben ja eine langjährige Rivalität. Ich hätte da so eine Idee, woran es liegen könnte.
Und das Problem ist Folgendes: Remigiusz Smolinski ist selbst Verhandlungsausbilder, er hat ja diese selbsternannte Weltmeisterschaft mit erfunden. Das ist wichtig. Und das Erste, was ich mir gedacht habe – wenn du meinen Podcast kennst, wenn du bei mir in der Verhandlungsausbildung warst, weißt du, worauf ich hinauswill. Nehmen wir mal an, das ist jetzt eine Annahme: Die Veranstaltung hat vielleicht selbst ein bisschen Geldnot und braucht einen exzellenten Sponsor. Und dann kommt jemand und sagt: Hier hast du Geld – so, als würde ein Sponsor jeden Morgen mit einem dicken Auto vorfahren und die ganze Rolex zeigen. Man hat wahrscheinlich nicht widersprochen, sondern gesagt: Ja, hier, nimm das Geld.
Dann kommt Folgendes – ich zitiere wieder den Post von Andreas, der übrigens für alles schriftliche Belege hat, das Ganze ist also über Schriftverkehr gelaufen. Eine Frage, die ich mir dabei immer stelle: Bei solchen Dingen rufen manche lieber an und hinterlassen nichts Schriftliches. Ich habe fünfeinhalb Jahre Hochschulpolitik gemacht, Freunde – was ist hier bitte los? Andreas schreibt: Das Schranner Negotiation Institute, der selbsternannte „Global Leader for Difficult Negotiations", erzählt auch, dass sie in der Ukraine unterwegs sind, und der Gründer war früher bei der Polizei, ist also im Behördenumfeld unterwegs. Ich kenne auch ehemalige Trainer aus diesem Umfeld, die können durchaus etwas, die sind gut – darum geht es hier auch gar nicht. Man kann jetzt offenlassen, wer besser ist und wessen Ansatz mehr Erfolg bringt. Achtzig Prozent der Studien sagen, dass Win-Win in der Regel den größeren Wert erzeugt, Schranner geht einen anderen Weg – der Mann verkauft das erfolgreich, das will ich Matthias Schranner auch fachlich gar nicht absprechen. Darum geht es hier nicht. Es geht um etwas anderes: um die, die als Sponsor eingestiegen sind und im Gegenzug, wie Remy mir schreibt, verlangt haben, dass ich als Judge ausgeladen werde. Und dann, Zitat: „Als Sponsor von TNC 25 haben Sie uns gebeten, die Liste der Judges mit Ihnen zu besprechen." Den Rest kennst du – danach war er raus.
Jetzt kommen wir zu zwei Dingen. Auf der einen Seite sagt Andreas oft, dass er, wenn andere über Dinge berichten oder Behauptungen aufstellen, das aus seiner Sicht als Fake News einordnet – und dass er in der Lage sei, wissenschaftlich zu belegen, dass es sich um Fake News handelt. Das heißt: Hier ist jemand, der Geld reinsteckt, während ein sehr guter Judge – der übrigens dieses Jahr eigentlich wieder dabei sein sollte, deswegen war er ja auch schon eingeplant – nicht dabei sein darf. Und der Veranstalter lässt sich das offenbar reinreden.
Und dann denke ich mir: Ist das schwierig? Und warum ist das schwierig? Erstens haben wir hier eine Frage der Wissenschaftsfreiheit. Man mag mit Andreas zurechtkommen oder nicht – ich merke schon, dass sich manche Leute wirklich auf den Schlips getreten fühlen, weil er auch ein Ego hat und das manchmal auch zeigt. Andere haben das genauso, Druck erzeugt Gegendruck, das ist mir schon klar. Aber er ist fachlich korrekt, er ist immer respektvoll, höflich, kein Unhöflicher – er benimmt sich nicht daneben, das ist so ziemlich das Letzte, was man ihm vorwerfen könnte. Das heißt: Er ist fachlich exzellent und wird trotzdem ausgeladen, weil ihn offenbar jemand nicht mag. Und was dann noch der Hammer ist: Er sagt selbst ganz klar, dass dieses Geld gebraucht wird. Das ist schon wahnsinnig, wenn man sich das ansieht und merkt: Man ist ein Stück weit abhängig von einem Geldgeber.
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, den ich für den wichtigsten halte: Meine Auszubildenden bekommen am ersten Vormittag der Ausbildung das Konzept der BATNA beigebracht – Best Alternative To a Negotiated Agreement, also die beste Alternative zu einer verhandelten Übereinkunft. Das heißt: Remigiusz Smolinski braucht Geld. Er geht in eine Verhandlung mit dem Schranner Negotiation Institute, und am Ende steht: Hier ist Geld, das wollen wir alles haben, und Winheller bleibt draußen. Schwierig – und da hätte ich mir vorher vielleicht eine Alternative gesucht, mich besser vorbereitet. Oder man hätte sagen können: Liebes Schranner-Institut, natürlich könnt ihr hier Präsenz kaufen, ihr könnt euch auch einen Jury-Platz sichern, wenn die Person, die reinkommt, unsere Standards erfüllt – guckt euch die anderen Jurymitglieder an, die Qualität muss stimmen. Aber das war offenbar nicht das, was passiert ist. Schwierig.
Und dann ging es weiter, denn das Ganze war noch nicht zu Ende. Das eigentliche Problem ist ja nicht, dass so etwas passiert, sondern wer das alles noch kommentiert hat: Führende Experten auf ihrem Gebiet haben sich zu Wort gemeldet, unter anderem auch Dirk Eilert. Ich sehe gerade rund 84 Kommentare, vier Reposts, ungefähr zehn- bis elftausend Impressionen – wobei man bei solchen Zahlen wissen muss: Nur weil da 18.000 steht, heißt das nicht, dass wirklich 18.000 Menschen das gesehen haben, oft sind es weniger, weil Leute mehrfach draufklicken. Sagen wir also, es waren rund 10.000 – das ist keine Riesenreichweite, aber eine fünfstellige Zahl ist trotzdem ordentlich. Das eigentliche Problem: Leute mit großer eigener Reichweite haben den Post repostet, und Leute mit einer sehr aktiven Community haben kommentiert. Das heißt, das Thema hat sich schon ordentlich verbreitet. Ich glaube, ich bin der Erste, der darüber einen Podcast macht – aber ich bin ein sehr fairnessorientierter Mensch, und ich finde das nicht fair. Übrigens lernen meine Auszubildenden am zweiten Tag, was Fairness eigentlich bedeutet. Und ich vermute, lieber Andreas: Remy hat ganz andere Ziele, dafür braucht er das Geld.
Und ich sage dir, wie es ist: Du bist gerade ein Bauernopfer. Damit kann man leben. Ich persönlich finde das trotzdem schwierig für eine wissenschaftliche Einrichtung – das ist immer noch eine Hochschule. Aber ich habe selbst fünfeinhalb Jahre Hochschulpolitik gemacht und ganz andere Dinge erlebt: Ich habe erlebt, wie die Politik – vor allem die CDU in Niedersachsen – den Fachbereich Wirtschaft in Wilhelmshaven schließen wollte. Ich war bei einer Alumni-Veranstaltung, und dort sagte einer der Professoren: „Ohne den gäbe es uns heute nicht mehr" – und meinte damit Olaf Lies. Und er hatte damit nicht unrecht. Meine eigene politische Karriere war zu dem Zeitpunkt vorbei, aber unser Fachbereich wurde unter anderem gerettet durch den heutigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, den SPD-Politiker Olaf Lies – er war früher Personalratsvorsitzender, ein guter Typ. Wie gesagt: Einmal die Runde drehen wollte ich damals eben auch. Ich kenne diesen Mist schon von früher. Wenn es hilft, mache ich das eben. Punkt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Aber jetzt wird es noch spannender, falls ihr dachtet, die Geschichte wäre schon zu Ende. Gary Noesner, Ex-FBI-Chefunterhändler für Krisenverhandlungen, hat darunter kommentiert. Auch Lorenz Wohanka, ebenfalls ein führender Psychologe im Bereich Verhandlung und Mediation – bei ihm habe ich zusammen mit Andreas eine Ausbildung zum Thema innere Resilienz gemacht – hat sich zu Wort gemeldet. Also wirklich internationale Koryphäen haben darunter geschrieben. Und jetzt kommt der eigentliche Hammer.
Das Schranner Negotiation Institute hat natürlich auch einen CEO, und das ist Fabio Falkenstein. Und er hat über Andreas geschrieben – jetzt kommt's: Matthias Schranner wisse davon nichts. Den Rest erspare ich euch, das ist erstmal egal. Aber jetzt komme ich als Interim-Manager ins Spiel und sage: Okay. Der selbsternannte „Global Leader for Difficult Negotiations" sponsert die selbsternannte Weltmeisterschaft im Verhandeln – so weit, so geil, herzlichen Glückwunsch, finde ich richtig gut, wenn zwei Player sich zusammentun, kann für beide Seiten ein super Win-Win sein – obwohl Schranner das Win-Win-Prinzip eigentlich nicht mag, wie ich gehört habe. Na ja, da muss ich selbst lachen. Aber im Ernst: Remy und das Schranner Negotiation Institute haben einen guten Deal gemacht, mit Entscheidungen, die – wenn man vorher nachdenkt – eigentlich keinen Sturm im Wasserglas auslösen dürften. Nochmal zur Erinnerung: Andreas Winheller berät, coacht und trainiert Top-Leute, unter anderem auch aus der Politik. Er ist also niemand, den man einfach mal eben so beiseiteschieben kann. Das ist keine kleine Sandkasten-Diskussion, da sind wir schon in der Champions League, bei Bayern München gegen Borussia Dortmund in den großen alten Zeiten. Da sind wir ganz oben.
Und dann erzählt der CEO, dass Matthias Schranner selbst von der ganzen Sache nichts wisse. Bitte? Wenn das stimmt, dann haben wir ein Problem – dann hätten Leute eine Entscheidung getroffen, ohne den Chef einzubinden. Das ist grundsätzlich erstmal gut, wenn Mitarbeitende selbstständig entscheiden können, ohne bei jeder Kleinigkeit nachzufragen. Und das Team von SNI hat, rein handwerklich betrachtet, ziemlich clever agiert. Aber, Remy: BATNA. Ich bin nächste Woche Freitag und Samstag in Wilhelmshaven, komm vorbei, dann zeige ich dir, wie man das macht – kein Problem, wir können den Fall gerne auch als Case-Study nehmen. Und der CEO will von alldem nichts gewusst haben?
Das Ding kann also gerade implodieren und gleich explodieren, und dann will der CEO nichts davon gewusst haben? Erzähl mir keinen Scheiß, bitte, veräppel mich nicht, ich bin doch dabei. Und dann kommt das Nächste. Zitat: „Wissenschaftsfreiheit gewährt der Staat, kein Institut. Wir stehen für akademischen Diskurs, aber die Art deiner Reaktionen der letzten Jahre auf unsere Beiträge haben dich dafür disqualifiziert. Wir stehen für Respekt, sowohl persönlich als auch in den sozialen Medien." Klingt erstmal gut. Aber genau der Ausschnitt sollte stutzig machen: „Wir stehen für akademischen Diskurs, aber die Art deiner Reaktionen in den letzten Jahren auf unsere Beiträge haben dich dafür disqualifiziert." Andreas hat daraufhin nur gefragt: Entscheidet ihr jetzt, wer für so einen Jury-Posten qualifiziert ist? Eine Antwort darauf gab es nicht.
Und dann wurde es noch absurder. Denn Remigiusz Smolinski hat im Anschluss an die Veranstaltung einen Nachbericht gepostet, alle Beteiligten gelobt und sich bedankt – ganz normal. Dabei hat er allerdings auch mehrfach behauptet, es habe keinerlei Eingriff von außen auf die Jury-Liste gegeben. Nur: Andreas Winheller sagt das Gegenteil, und ich glaube ihm – er ist kein Lügner. Wenn das mal vor Gericht landet, mit einem Medienanwalt und allem Drum und Dran, dann wird Andreas dort stehen und sagen: Ich habe nur wiedergegeben, was mir mitgeteilt wurde. Und trotzdem behauptet Smolinski mehrfach: Nein, das war es nicht, es gab keinen Eingriff einer externen Partei in unsere Struktur. Nun, da darf sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich finde es auf jeden Fall kommunikationstechnisch ziemlich schief gelaufen. Und auch vom CEO von SNI gab es dazu eine bemerkenswerte Aussage.
Ob das Thema jetzt durch ist, weiß ich nicht, aber ich bleibe dran für euch. Einundzwanzig Minuten sind vorbei, und ich finde vor allem verschiedene Dinge hier schwierig. Erstens: So, wie es sich darstellt, lässt sich ein wissenschaftliches Institut, das eine Verhandlungs-Weltmeisterschaft ausrichtet, sponsern und aktiv auf die Jury-Liste einwirken – im negativen Sinne, gegen ein Jurymitglied, das eigentlich fachlich qualifiziert ist und auch dieses Jahr wieder dabei sein sollte. Das finde ich heikel, wirklich heikel, gerade bei einem Institut, das sicher auch mit öffentlichen Geldern arbeitet – da muss man genauer hinschauen. Ich finde es auch schwierig, wenn das tatsächlich so vom Sponsor forciert wurde, weil das bedeutet, dass man nicht in den fachlichen Diskurs geht, sondern einfach sagt: Wir erledigen unsere Konkurrenz mit Geld. Wer Geld hat, macht das eben so.
Ich habe neulich bei Andreas Baulig gehört – Grüße raus an dich –, er hat gesagt: Leute, die Geld haben, haben am Ende nur noch ein Zeitproblem. Und alles, was Zeit kostet, erledigt man eben mit Geld. Fall erledigt. Und das ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Andreas sagt ja selbst, dass sie – also Smolinski und sein Team – das Geld gebraucht haben. Das heißt, sie hatten nur die eine Option. Und mehr Optionen sind ja die Grundlage jeder Verhandlung – man braucht immer eine Alternative. Die hatten sie wahrscheinlich nicht, sonst hätten sie diesen Deal nicht angenommen. Vielleicht gab es auch gar keine, oder nur schlechtere. Aber ganz ehrlich: Bevor ich mir als Veranstalter meine Jury vorschreiben lasse, würde ich den Deal lieber nicht machen. Das ist allerdings meine Haltung, meine Vision – ich weiß nicht, was am Ende das Ziel der anderen Partei war. Manche sagen: Vielleicht wissen wir das auch nicht, die haben ganz andere Ziele, und Andreas ist eben das Bauernopfer geworden.
Und ja, Andreas, das bist du jetzt. Und das Schlimme daran ist: Er ist Bauernopfer geworden, weil er streitbar ist, weil er auf wissenschaftliche Exzellenz pocht und weil er mit Nachdruck dahintersteht. Ich sage euch eins: Ich habe selbst zweimal privat eine Nachricht von Andreas bekommen, in der er schrieb: Matthias, dein aktueller Post – das müsstest du eigentlich besser wissen, du hast das im emotionalen Kopf geschrieben, ich muss da gleich drunter kommentieren, das sieht nicht gut für dich aus. Und ich habe mir das dann durchgelesen und gedacht: Danke, Andreas, du hast recht – und habe den Post dann auch gelöscht. Das macht er also auch, gerade bei Leuten, die er mag, würde ich sagen. Und ihm ist wichtig, dass die Leute, die bei ihm ausgebildet wurden, auch selbst eine gute Verhandlungsausbildung anbieten und guten Job machen. Das finde ich extrem wichtig. Und das macht sicherlich auch das Schranner Negotiation Institute so – ich kenne Leute, die dort waren und total begeistert sind, unter anderem aus dem Topmanagement von VW, die dort ausgebildet wurden und richtig gute Erfahrungen gemacht haben. Muss also gut sein, keine Frage. Aber darum geht es hier gar nicht.
Ich finde es auch überhaupt nicht schlimm, wenn SNI das gefordert hat – das ist völlig in Ordnung, das darf man fordern. Was ich nicht in Ordnung finde, ist, dass sich die Veranstalter darauf eingelassen haben. Vielleicht ist da auch etwas Persönliches mit reingespielt, das kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, was anhand der Dinge, die ich gelesen habe, passiert ist. Fünfundzwanzig Minuten sind vorbei – was kannst du für dich mitnehmen? Du brauchst einen Plan B, und wenn du mal Mist gebaut hast oder gerade ein kleiner Sturm aufzieht, dann hilft eine saubere Kommunikation. Dann stellst du dich hin und sagst: Pass auf, wir haben uns mit dem Sponsor zusammengesetzt, wir haben die Jury-Liste noch mal überarbeitet, und für das Konzept, das wir jetzt verfolgen, bist du fachlich nicht mehr der richtige Mann. Punkt. Das kann man so sagen, das ist völlig normal. Ob ich das schon dieses Jahr so gemacht hätte, weiß ich nicht.
Und eigentlich wäre es doch viel geiler gewesen: Ich, an Stelle von SNI, hätte es doch viel besser gefunden, wenn Winheller mit am Tisch beim Dinner gesessen hätte, das ich gesponsert habe – ich halte meine zehn, zwanzig Minuten Rede, und er darf keinen Ton dazu sagen, während ich einmal richtig Gas geben und gegen Win-Win wettern kann. Erzählen, wie erfolgreich Anti-Win-Win in meinen Verhandlungen war, in der Ukraine oder sonst wo. Wie geil wäre das gewesen? Die Bühne wäre geil gewesen, das Ganze wäre geil gewesen. Da hätte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, da wäre mein Ego voll mitgegangen, grinsend hätte ich das durchgezogen. Ich finde es schade, weil das am Ende den Studierenden, den Teilnehmenden, die Chance auf ein exzellentes Jurymitglied genommen hat. Die anderen Jurymitglieder waren, wie ich mitbekommen habe, immer schon sehr gut.
Mich persönlich betrifft das natürlich auch, weil mir Gerechtigkeit wichtig ist. Ich finde das ungerecht, ich finde das unfair – aber das Thema Fairness behandeln wir vielleicht in der nächsten Folge. Ach, weißt du was: Ich mache gleich direkt danach noch eine Folge. Und die geht um Fairness, meine Lieben – Folge 57 dreht sich um Fairness.
In diesem Sinne: Wichtig ist mir zu sagen, dass ich diese Dinge aus LinkedIn übernommen habe – deswegen habe ich hier auch oft zur Seite geschaut, für die, die gerade auf YouTube zuschauen. Ich kenne den kompletten Schriftverkehr natürlich nicht, den hat Andreas nicht offengelegt – das dürfte, sollte es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kommen, dann irgendwann offengelegt werden. Darauf freue ich mich, ich bin gespannt, was passiert, wirklich gespannt. Wir schauen also weiter. In diesem Sinne, Andreas: Ich finde es trotzdem extrem gut, dass du das öffentlich gemacht hast. Viele würden sich dafür schämen oder es als Rumgejammer abtun – ich sehe das nicht so, ich finde das gut. Ich finde, das passt zu deiner Haltung, zu deiner Marke. Und wer jetzt noch ein Take-away möchte: Schaut euch mal Andreas Winhellers Post vom 10. April an, ganz offen gesprochen – das ist Haltung, und das zahlt auf seine Marke ein. Das hat einen richtigen Aufruhr ausgelöst, er hat viele Mails und Anrufe bekommen, die ihm zugesprochen haben. Und wie gesagt, der Post wurde mehrfach geteilt und von den richtigen Leuten kommentiert, in deren Netzwerken taucht das jetzt auch auf. Am Ende bleibt das hängen, und darüber wird diskutiert werden – und das finde ich auch richtig so.
In diesem Sinne, auch dir, Remy: für 2027 in Zürich viel Erfolg, ich finde wirklich gut, was du auf die Beine gestellt hast. SNI – guten Deal gemacht, selbsternannter „Global Leader for Difficult Negotiations" sponsert die selbsternannte Weltmeisterschaft im Verhandeln, wie geil ist das denn bitte, auch für eure Marke ist das ziemlich stark. Und Andreas: Du gehst weiter deinen Weg, das weiß ich. Und wir werden weiterhin die Top-Leute in Politik und anderswo fordern, fördern, ausbilden und trainieren. Ich finde das geil. Du bist einer der Ausbilder, von denen ich am meisten lernen durfte, gerade was Konstanz und Konsequenz angeht – danke dafür. In diesem Sinne: Kommt gut durch die Woche, jetzt ist hier Schluss. Tschüss, ciao und auf Wiedersehen.