„Wann merken die, dass ich nichts kann?“ – Die Wahrheit dahinter
Eine sehr persönliche Folge über Impostor-Syndrom: woher es bei Matthias kommt, warum Affirmationen nicht die Lösung sind – und was wirklich hilft.
Mindset
Realität schlägt Kopfkino.
Shownotes
Darum geht's
Eine sehr persönliche Folge: Matthias erzählt, wie sich das Impostor-Gefühl bei ihm anfühlt – selbst nach Applaus, nach einem gefeierten Workshop, nach exzellenter Arbeit. Woher es kommt (frühe Ablehnung schon im Mutterleib, ADHS), warum Affirmationen für ihn keine Lösung sind – und was stattdessen wirklich hilft: ein ehrliches Umfeld und echtes Feedback.
Was du mitnimmst
- Realität schlägt Kopfkino – die Rechnung wird bezahlt, es gibt neue Aufträge und Anfragen, obwohl der innere Kritiker etwas anderes behauptet.
- Keine Affirmationen als Pauschallösung – sie wirken bei manchen, bei anderen nicht. Matthias verordnet sie nicht pauschal.
- Ehrliches Umfeld statt leerer Motivation – ein Kreis von Menschen, die sich gegenseitig wertschätzendes UND konstruktives Feedback geben.
- Bewertungen ehrlich zeigen – auch schwächere Proven-Expert-Bewertungen postet Matthias, statt nur die perfekten zu zeigen.
- Seine Werte: Mut, Wertschätzung, Freiheit – und warum es Mut braucht, genau das einfach zu machen.
Kapitelübersicht
- 00:00 – Der Satz, der triggert: „Wann merken die, dass ich nichts kann?“
- 00:45 – Brillanz auf der Bühne, Leere danach: Kopfkino vs. Realität
- 01:54 – Ursprung: frühe Ablehnung im Mutterleib, limbisches System, ADHS
- 03:30 – Warum Affirmationen oft nichts bringen
- 06:09 – Seine Werte: Mut, Wertschätzung, Freiheit
- 07:58 – Ehrliches Feedback statt Angst davor
Transkript der Folge
Automatisch transkribiert und redaktionell überarbeitet. Kann vom gesprochenen Wort abweichen.
Wann merken sie eigentlich, dass ich nichts drauf habe? Herzlich willkommen zu einer sehr persönlichen Podcastfolge von Psychologie, die verkauft, mit mir, Matthias Bullmahn. Ich erzähl dir eine kleine Geschichte. Oftmals, wenn ich Trainings gehalten habe, wenn ich Beratungen durchgeführt habe, komme ich nach Hause, gehe ich aus dem Trainingsraum raus und denke mir: Wann merken die eigentlich, dass ich keine Ahnung habe?
Selbstwert im Keller. Und meistens dann, wenn ich mal wieder brilliert habe, wenn ich mein gesamtes Wissen eingesetzt habe, wenn ich eben meine exzellente Fähigkeit, Menschen miteinander zu verknüpfen, kleine Nuancen von Verhaltensänderungen zu erhaschen und zu erkennen und die einzubauen und Menschen mit einzubinden in das Trainingskonzept, ins Beratungs-Coaching-Konzept – meistens ist es dann, wenn ich extrem genial mal wieder war, was oft vorkommt, sehr oft. Und dann wird es einsam und kalt und dunkel. Und ich denke mir: Wann merken die eigentlich, dass ich nichts kann?
Und wann sagen sie es mir? Spoiler: Sie zahlen die Rechnung, und sie fragen nach weiteren Terminen und weiteren Aufträgen und weiterer Unterstützung. Also, die Realität hat mit der Theorie nichts zu tun. Die meisten Dramen spielen sich ja auch in unseren Köpfen ab und werden niemals Realität. Auch wenn du jetzt denkst, ja, manche Dramen hätten wir uns nie gedacht, dass sie Realität werden –
aber darum geht es ja heute nicht. Okay, und ich bin da auch auf der Suche gewesen und habe ja manchmal das Wissen kennengelernt – in Wuppertal, ein super Traumatherapeut, mit dem arbeite ich jetzt auch schon im dritten Jahr. Und wie ist das bei mir eigentlich zustande gekommen? Das ist relativ simpel, dass da der Selbstwert schon immer nach unten geballert wurde.
Meine leibliche Mutter war damals 15 oder 16 und hat die Schwangerschaft abgelehnt. Das bedeutet: Ab dem Zeitpunkt, an dem sich mein limbisches System gebildet hat, also ab der siebten Woche, hatte ich Ablehnung und Selbstwert gleich null. Plus natürlich noch Panik und Angst und ständiges Aufpassen mitbekommen. Nicht so schön.
Da kann ich übrigens nichts für. Und erst seit wenigen Jahren weiß ich, dass ich da lieb zu mir sein muss und sagen muss: Nee, Matthias, da kannst du nichts für. Du weißt es, und du wirst das irgendwann auch vernünftig behandeln, selbst mit Profis. Aber aktuell bist du auf dem Weg dahin. Und das ist ein Weg, der jetzt schon seit drei Jahren geht.
Ist besser geworden. Ich will aber trotzdem drüber sprechen. Andere sagen, es ist ein Impostor-Syndrom. Bei mir ist es die Geschichte, die dahintersteckt.
Und sie hat noch kein Happy End, weil die Momente – auch gestern, als ich aus dem Workshop kam und alle sehr zufrieden waren und Menschen mir gesagt haben, dass das die beste Entscheidung war, diesen Workshop zu buchen, die mit Social Media oder Online-Präsenz zwischen wenig und überhaupt nichts zu tun haben und mit 60 Jahren nochmal Gas geben wollen und sich hier eben auch noch mal ein neues Thema antun werden – und das fand ich so schön. Und trotzdem bin ich nach Hause gegangen und war leer und war kaputt und habe gedacht: Boah, Ahnung hast du ja nicht. Obwohl sich alle positiv geäußert haben. Und das habe ich bei meinen Klienten auch ganz oft, dieses Impostor-Syndrom.
Ich kann ja nicht so viel, andere können mehr. Und heute möchte ich dir mal so ein bisschen erzählen, wie ich damit umgehe und wie ich mich dann wieder weiter pushe. Und eine Endlösung gibt es da noch nicht. Und es endet manchmal auch nicht gut, sondern dass ich dann irgendwie abends traurig im Bett bin und einschlafe und morgens dann irgendwie traurig oder happy aufwache. Und dank ADHS ist das noch verstärkt – ist es dann eben auch so, dass es vielleicht auch am nächsten Tag gar nicht mehr Thema ist.
Manchmal aber schon, je nachdem. Und Medizin, weiß ich nicht, gibt es ja bestimmt gegen, würde ich aber nicht nehmen – wahrscheinlich Antidepressiva oder so ein Gedöns. Wo das herkommt, weiß ich inzwischen. Ich hab's verstanden, oder verstehe es zumindest.
Und was ich dann mache, ist eben: Manchmal kaschiere ich das innerhalb eines Trainings, wenn ich denke, irgendwie sind die gerade abwesend oder glauben nicht, dass ich gut bin, dass ich eigene Geschichten noch mit einfließen lasse. Da darf ich dann eben auch noch mal ein bisschen brillieren, und dann haben wir auch noch Diskussion darüber, wie dann die Dinge gekommen sind. Und dann habe ich das Gefühl, jo, alles klar, läuft. Meistens ist es gar nicht nötig, weil sonst hätten sie mich ja nicht gebucht. Trotzdem ist es halt eben so.
Und ganz wichtig für dich ist, dass ich dir jetzt nicht sagen werde, was für dich gut ist. Ich werde jetzt nicht sagen: Mach Affirmationen, ich bin der/die Geilste, und es gibt keinen Besseren als mich, und ich bin gut, und ich liebe mich. Das werde ich nicht machen, weil Affirmationen zu 50 Prozent schädlich sind und zu 50 Prozent nicht. Und ich weiß nicht, wer du bist, und ich weiß auch nicht, ob die Affirmation schädlich für dich ist. Und ich weiß auch manchmal gar nicht, ob sie schädlich oder gut für mich ist.
Ich probiere da ja auch aus. Und was ich eben mache, ist erstens: Ich habe mir ein Umfeld von Menschen geschaffen, die wertschätzend sind, wo wir uns gegenseitig unterstützen, wo wir uns gegenseitig positive Feedbacks geben, aber natürlich auch Verbesserungsfeedbacks – andere würden sagen negative Feedbacks, nein, Verbesserungsfeedbacks, damit wir besser werden. Wir sind alle in meiner Gruppe auf einem sehr guten Level, machen sehr gute Arbeit, aber da haben mehrere auch manchmal das Gefühl, ich bin ja nicht gut. Das betrifft mehr Leute, als wir denken, und da redet fast keiner drüber.
Und ich habe heute so das Bedürfnis, darüber zu reden mit dir oder für dich. Und vielleicht findest du dich da ja wieder, vielleicht auch nicht. Vielleicht kennst du Menschen. Da mache ich jetzt kein Coaching für und keine Beratung, kein Training. Okay, das ist einfach eine persönliche Sache, und ich erzähle dir, wie ich damit umgehe.
Früher war es so, dass ich dann sehr laut wurde, sehr präsent wurde und dann overpaced habe. Und das ist halt nicht so gut. Mittlerweile hat sich das gebessert. Das Gefühl ist gleich geblieben, ein bisschen weniger geworden, ich krieg's aber auch besser unter Kontrolle.
Eine Endlösung, wie vorhin schon erwähnt, habe ich nicht. Und es ist ein harter Weg. Jeder hat so seine Dämonen, jeder hat seine Traumata. Ich habe das Glück, mit guten Leuten um mich rum zu sein, mit guten Therapeuten, die hier auch mit auf mich aufpassen und wo ich mich weiterentwickeln darf. Ja, und deswegen, nach sechseinhalb Minuten schließe ich diese wunderbare Folge, wo ich ein bisschen was über mich selbst nach draußen getragen habe.
Wichtig ist da auch mein Grundwert, nämlich Mut. Lustigerweise haben meine Katzen den gerade irgendwo runtergeschmissen – Mut liegt hier also physisch gerade nicht rum, nur noch Wertschätzung, und Freiheit hab ich leider auch noch nicht wiedergefunden. Mut, Wertschätzung, Freiheit sind so die wichtigsten Kernwerte bei mir. Also Freiheit ganz vorne, mit Mut, Wertschätzung danach.
Und von daher braucht es dann auch einfach Mut, es zu machen. Und ja, ein Beispiel habe ich noch für dich: Ich habe irgendwann mal mit öffentlichen Verhandlungstrainings angefangen, und dann habe ich so ein geiles Feedback bekommen, und dann habe ich erst mal nicht weitergemacht. Habe also nur interne Verhandlungstrainings gegeben.
Warum? Wieso? Weshalb? Ich weiß es nicht. Ich verstehe es selbst nicht.
Fakt ist, auch die funktionieren geil, und ich denke mir jedes Mal: Wann merken die, dass ich nichts kann, und sagen: Mattes, du kannst ja nichts. Spoiler: Sie machen es nicht, weil ich kann halt was. Und wenn ich mit Menschen dann unter vier Augen spreche – auch Geschäftsführer, teilweise auch Vorstände, Top-Führungskräfte – dann merke ich, die betrifft das auch. Und was ich dir noch mit auf den Weg geben kann: dass du dir offenes und ehrliches Feedback geben lässt. Ich habe einen Proven-Expert-Account, wo ich mir das Feedback auch geben lasse, schriftlich, wo ich aber auch mit Menschen unter vier Augen oder in der Gruppe spreche und mir ein Feedback geben lasse.
Was gefällt dir? Was nicht? Um eben zu wissen, wo muss ich hier noch justieren, wo vielleicht auch nicht. Und ich habe auch keine Angst vor diesem Feedback, weil es war noch nie desaströs. Auch bei Proven Expert habe ich ganz viele tolle Feedbacks, aber ich hab auch ein paar schwächere Bewertungen dabei, nicht nur 5 von 5 Sternen, ganz ehrlich – ja, die gibt es immer wieder. Und die bestätigen mich aber auch, dass ich eben Ecken und Kanten habe und nicht jedem gefalle. Und die poste ich eben auch, auch wenn die dann Texte dazu geschrieben haben, die mir vielleicht nicht passen.
Aber es ist die absolute Minderheit. Die meisten finden das gut, was ich mache, und die meisten finden auch mich gut. Und so wird das hochwahrscheinlich bei vielen da draußen sein. Mit einem guten Umfeld, mit konstruktivem Feedback, sage ich dir, kannst du dagegen ankämpfen, kann ich dagegen ankämpfen. Das ist für mich so das Aspirin in dem Bereich.
Ich weiß ja nicht, wo es bei dir hapert – ansonsten schau da vielleicht mal mit einem Traumatherapeuten hin. Und für alle da draußen, denen es genauso geht, die leise sind und darüber nicht sprechen: Die dürfen jetzt einmal grinsen und sich freuen, dass es jemand tut. Und in Gedanken bin ich bei dir.
In dem Sinne, hab eine schöne Woche. Wenn du mir zu dieser Folge was sagen möchtest, Ideen für neue Folgen hast, dann immer raus damit. Das ist eine Special-Folge heute von Psychologie, die verkauft, mit Matthias Bullmahn. Eine sehr persönliche Folge. Ich wünsche dir alles Gute.
In dem Sinne, tschüss, ciao und auf Wiederschauen.