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B2B-Vertrieb

Buying Center: Wer in B2B wirklich über Deinen Auftrag entscheidet

In B2B verkaufst Du nie an eine Person. Du verkaufst an ein Gremium, das sich nie geschlossen trifft, in dem jeder ein anderes Risiko fürchtet und in dem der Lauteste selten der Wichtigste ist.

Was ein Buying Center ist

Ein Buying Center sind alle Personen in einem Unternehmen, die an einer Beschaffungsentscheidung beteiligt sind. Es steht in keinem Organigramm, weil es sich für einen konkreten Kauf zusammenfindet, ein paar Wochen oder Monate arbeitet und danach wieder auseinandergeht.

Nachschlagen kannst Du es also nirgends. Du musst es Dir zusammensetzen, aus Nebensätzen, aus Mailverteilern, aus der Beobachtung, wer im Termin die ganze Zeit geschwiegen hat.

Gartner beziffert typische B2B-Entscheidungen auf sechs bis zehn Beteiligte. Das deckt sich ungefähr mit dem, was ich in Konzernprojekten gesehen habe. Bei einer größeren Investition saß ich einmal in einem Gremium mit zwölf Leuten. Der Anbieter kannte drei davon, und er hat den Auftrag verloren, ohne jemals zu erfahren, woran.

Der teuerste Satz im B2B-Vertrieb lautet: „Mein Ansprechpartner findet es gut.“ Er sagt Dir etwas über einen Menschen und fast nichts über die Entscheidung.

Die sechs Rollen

Das Modell stammt von Webster und Wind, ist gut fünfzig Jahre alt und hält sich hartnäckig, weil bisher niemand ein besseres gebaut hat. Eine Person kann mehrere Rollen halten, eine Rolle sich auf mehrere Personen verteilen.

RolleWillKippt den Deal, wenn
InitiatorDass das Problem endlich angefasst wirdEr das Interesse verliert oder die Abteilung wechselt
BenutzerDass sein Arbeitsalltag leichter wird, nicht komplizierterEr merkt, dass über ihn hinweg entschieden wird
BeeinflusserFachlich recht behaltenSeine Kriterien im Angebot nicht auftauchen
EinkäuferEinen messbaren Verhandlungserfolg vorweisenEr das Gefühl hat, nichts herausgeholt zu haben
EntscheiderEine Entscheidung, die er später verteidigen kannDas Risiko größer wirkt als der Nutzen
GatekeeperDen Laden zusammenhalten, Zeit der anderen schützenDu ihn umgehst

Unterschätzt werden fast immer dieselben beiden: der Benutzer und der Gatekeeper. Keiner von ihnen entscheidet irgendetwas. Beide können Dich trotzdem jederzeit aus dem Rennen nehmen.

Die Analyse in vier Schritten

Praktisch ist das eine Liste, die Du vor dem Angebot anlegst und während des Prozesses laufend korrigierst. Mehr braucht es nicht.

1. Namen sammeln

Jeder, der in einem Verteiler stand, in einem Termin saß oder auch nur erwähnt wurde. Noch ohne Bewertung. Die Frage, die dabei am meisten bringt, klingt völlig harmlos: „Wer schaut sich das außer Ihnen noch an?“

2. Rollen zuordnen

Jetzt erst. Wer benutzt es später, wer prüft fachlich, wer verhandelt, wer unterschreibt. Und wenn Du bei jemandem raten musst, hast Du damit schon einen Befund: Du kennst ihn nicht gut genug.

3. Haltung markieren

Dafür, neutral, dagegen. Dazu eine vierte Kategorie, die wehtut: unbekannt. In den meisten verlorenen Deals, die ich hinterher auseinandergenommen habe, stand genau dort das Kreuz.

4. Lücken schließen

Jede Rolle ohne Namen und jeder Name ohne Haltung ist eine offene Flanke. Bevor Du also die nächste Präsentation planst, schließ die größte davon.

Jede Rolle hat ein anderes Motiv

Hier trennt sich saubere Vertriebsarbeit von Verkaufspsychologie. Die Rolle sagt Dir, worüber jemand entscheidet. Das Motiv sagt Dir, warum er sich so entscheidet, wie er sich entscheidet.

Ein Einkäufer, der hart auf den Preis drückt, will erstaunlich oft gar nicht den niedrigsten Preis haben. Er will ein Ergebnis, mit dem er intern glänzen kann. Dieser Unterschied ist bares Geld wert, denn ein Zugeständnis, das ihm eine Geschichte liefert, kostet Dich deutlich weniger als drei Prozent Rabatt.

Beim Entscheider läuft es wieder anders. Der optimiert darauf, in zwei Jahren nicht als derjenige dazustehen, der die falsche Firma geholt hat. Deshalb wirkt bei ihm eine Referenz aus seiner eigenen Branche stärker als jede Funktionsliste.

Für die Zuordnung nutze ich den Motivkompass: vier Motivfelder, die beschreiben, ob jemand auf Sicherheit anspringt, auf Status, auf Beziehung oder auf Struktur. Dieselbe Leistung, vier Formulierungen. Wer im Gremium die falsche erwischt, klingt für diese eine Person beliebig, und beliebig ist im B2B ziemlich tödlich.

Die vier teuersten Fehler

1. Ein einziger Ansprechpartner, der alles weitergibt. Sehr bequem, und Du verlierst jede Kontrolle darüber, was intern ankommt. Weitergegeben wird nämlich nie Dein Argument, sondern seine Erinnerung daran, und die ist nach drei Tagen deutlich kürzer.

2. Ein Angebot für alle. Ein Dokument, das Technik, Einkauf und Geschäftsführung gleichzeitig überzeugen soll, überzeugt am Ende keinen davon. Bau es dreiteilig: eine Zusammenfassung für den Entscheider, einen fachlichen Abschnitt für den Beeinflusser, eine saubere Preisstruktur für den Einkäufer.

3. Den Gatekeeper umgehen. Die Assistenz zu übergehen und direkt beim Vorstand anzuklopfen wirkt entschlossen. Ist es auch. Registriert hat diese Entschlossenheit allerdings genau die Person, die Deine nächsten drei Terminanfragen bearbeitet.

4. Den stillen Gegner übersehen. In jedem größeren Gremium sitzt jemand, der die aktuelle Lösung damals selbst eingeführt hat. Wechselt das Unternehmen zu Dir, ist das für ihn das Eingeständnis, dass er sich geirrt hat. Der widerspricht nie offen. Der stellt Fragen. Sehr gründliche Fragen, so lange, bis das Budget ins nächste Jahr rutscht.

Was Du in welchem Gespräch sagst

Derselbe Vertrag, vier Gespräche, vier völlig unterschiedliche Sätze.

Mit wemWorüber Du sprichstWas Du nicht tust
BenutzerSein Tagesgeschäft, konkret, mit seinen BegriffenÜber Return on Investment reden
BeeinflusserKriterien, Grenzen, was Dein Angebot nicht kannSchwächen wegmoderieren
EinkäuferStruktur, Laufzeit, Staffelung, VergleichbarkeitZu früh über den Preis sprechen
EntscheiderRisiko, Referenzen, was passiert, wenn nichts passiertIns Detail gehen

Die stärkste Frage im ganzen Prozess ist übrigens eine ziemlich unspektakuläre: „Wie läuft so eine Entscheidung bei Ihnen üblicherweise ab?“ Die Antwort darauf zeichnet Dir das Buying Center von selbst, ohne dass Du je danach fragen musst.

Konzern, Mittelstand, Behörde

Im Konzern ist das Gremium groß, formal und langsam. Es gibt Sitzungen mit festen Terminen, und wenn Dein Thema eine davon verpasst, bist Du ein Quartal los. Frag früh nach diesen Terminen. Sie sind Dein echter Zeitplan, Dein Forecast ist es nicht.

Im Mittelstand vereint der Geschäftsführer häufig Initiator, Entscheider und Einkäufer in einer Person. Das ist tatsächlich einfacher, solange Du den Benutzer nicht vergisst. Der Meister in der Fertigung hat keine Unterschriftsvollmacht, aber ein Veto, das nie so genannt wird.

Bei öffentlichen Auftraggebern gibt das Vergaberecht Teile des Buying Centers vor. Die eigentliche Entscheidung fällt dort vor der Ausschreibung, nämlich in dem Moment, in dem die Kriterien formuliert werden. Wer erst auf die Veröffentlichung reagiert, bewirbt sich auf ein Profil, das jemand anders geschrieben hat.

In großen Transformationsprogrammen habe ich beide Seiten des Tisches erlebt. Als Anbieter, der ein Gremium überzeugen musste, und später als Interim-Manager, der selbst darin saß und Angebote bewertet hat. Was die durchgekommenen Angebote von den höflich abgelehnten unterschied, war erstaunlich selten die Leistung. Es war die Frage, ob sich jeder im Raum irgendwo wiedergefunden hat.

★★★★★4,7 von 5 Sternen aus über 550 Bewertungen, von Selbstständigen bis zu Fach- und Führungskräften aus Konzernen wie Allianz und Accenture.

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Über den Autor

Matthias Christian Bullmahn

Verkaufspsychologie, Storytelling und Verhandlung

Matthias Christian Bullmahn, TÜV-zertifizierter Experte für Verkaufspsychologie
TÜV-zertifizierter Experte für VerkaufspsychologieCEBN®-zertifizierter VerhandlerFBI-Crisis-Negotiation geschultMimikresonanz® & Motivkompass©10.000+ trainierte MenschenCo-Autor Springer Gabler

Matthias Christian Bullmahn unterstützt Coaches, Berater, Agenturen, Selbstständige und KMUs dabei, sich als unverwechselbare Marke zu positionieren, ihre Preise selbstbewusst durchzusetzen und Premium-Wunschkunden zu gewinnen, die bleiben. Seine Überzeugung: Menschen kaufen von Menschen, nicht von Angeboten. Dafür verbindet er wissenschaftlich fundierte Verkaufspsychologie mit Storytelling und Verhandlungstechniken, die in der Praxis wirklich funktionieren.

Matthias Christian Bullmahn ist TÜV-zertifizierter Experte für Verkaufspsychologie, ausgebildet bei Matthias Niggehoff, einem der bekanntesten, auch aus dem Fernsehen bekannten Verkaufspsychologen im deutschsprachigen Raum. Er ist zudem CEBN®-zertifizierter Verhandler, zertifiziert bei Andreas Winheller, und zertifizierter Storytelling-Coach.

Seine ersten Berührungspunkte mit professionellem Verhandeln sammelte er bei Scotwork (weltweit ältester Verhandlungsspezialist, seit 1975). Anschließend bildete er sich konsequent zum Verhandlungsexperten weiter bei Andreas Winheller (ausgebildet am Harvard Program on Negotiation, PON), dessen Ansatz konsequent wissenschaftlich fundiert ist.

In einem gemeinsamen Training von Andreas Winheller und dem ehemaligen FBI-Chefverhandler Gary Noesner wurde er persönlich im FBI-Crisis-Negotiation-Konzept geschult. Sein Wissen vertiefte er in einem Seminar bei Nicky Perfect (ehemalige stellvertretende Leiterin der Hostage & Crisis Negotiation Unit von New Scotland Yard) sowie auf Workshops und Vorträgen auf der Negoticon in Prag. In seiner Laufbahn hat er Verträge mit zweistelligen Millionenbudgets verhandelt.

Storytelling lernte er bei Bernhard Kalhammer und Grimme-Preisträger Uwe von Grafenstein (Programm „Geschichten, die verkaufen“), nach dem Prinzip der Heldenreise, das auch Hollywood und Disney nutzen. Für die motivorientierte Kundenansprache nutzt er den wissenschaftlich fundierten Motivkompass© von Dirk Eilert; bei Eilert ist er zudem in Mimikresonanz® und emTrace® ausgebildet, dem präzisen Lesen von Mimik und Emotionen.

Über 10.000 trainierte Personen aus Konzernen, Behörden, dem Mittelstand und der Selbstständigkeit sowie seine Tätigkeit als Co-Autor des Springer-Gabler-Verlags unterstreichen seine langjährige Praxiserfahrung. In seinem Podcast „psychologie, die verkauft“ vermittelt er praxisnahes Wissen zu Verkaufspsychologie, Storytelling und Verhandlungsführung. Weitere Informationen unter www.matthiasbullmahn.de/presse.

Matthias Christian Bullmahn steht für Interviews, Expertenstatements und Hintergrundgespräche zu den Themen Verkaufspsychologie, Verhandlungsführung und Unternehmenskommunikation zur Verfügung.

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