Zum Inhalt springen

Unternehmenskrise

Unternehmenskrise: Was Du sagst, bevor es jemand anders tut

In der Krise entscheidet selten die Zahl. Es entscheidet, wer zuerst spricht, in welcher Reihenfolge und mit welchem Plan.

Auf den Punkt: In einer Unternehmenskrise verliert nicht, wer schlechte Zahlen hat, sondern wer zu spät spricht. Wer die Information selbst setzt, bestimmt den Rahmen. Entscheidend sind die Reihenfolge der Gespräche, eine Sprache ohne Beschönigung und ein Plan mit Datum.

Die meisten Unternehmer kommunizieren in der Krise zu spät. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern aus Hoffnung. Man will erst die Lösung haben, bevor man das Problem zugibt.

Das ist verständlich und teuer. Denn in der Zwischenzeit sprechen andere über Dich: die Buchhaltung des Lieferanten, der Mitarbeiter, dessen Gehalt später kam, der Kunde, dessen Anruf zweimal unbeantwortet blieb. Diese Erzählung lässt sich später nur noch korrigieren, nicht mehr setzen.

Die Signale vor der Krise

Eine Krise beginnt selten mit der Zahl. Sie beginnt mit Verhalten:

  • Entscheidungen werden vertagt, weil die Grundlage fehlt.
  • Gespräche mit der Bank werden verschoben statt gesucht.
  • Rechnungen werden nach Dringlichkeit statt nach Fälligkeit bezahlt.
  • Leistungsträger fragen nach Perspektive und bekommen Allgemeinplätze.
  • Der Chef ist auffallend oft unterwegs.

Wer diese Signale bei sich erkennt, hat noch Handlungsspielraum. Genau dieser Spielraum ist die eigentliche Währung.

Die Reihenfolge der Gespräche

Nicht alle erfahren dasselbe zur selben Zeit. Die Reihenfolge folgt der Frage, wer Dich tragen soll:

  1. Hausbank und Finanzierer. Sie brauchen Zahlen und einen Plan mit Datum.
  2. Die drei bis fünf Lieferanten, ohne die nichts läuft.
  3. Schlüsselpersonen im Team, einzeln und persönlich.
  4. Das gesamte Team, in einem Termin, mit demselben Wortlaut.
  5. Betroffene Kunden, nur die betroffenen.

Wer diese Reihenfolge dreht, verliert die Kontrolle über die Erzählung. Ein Team, das über den Lieferanten erfährt, was los ist, glaubt danach nichts mehr.

Sprache, die trägt

Die zentrale Regel: konkret bei der Lage, klar beim Plan, ehrlich bei der Unsicherheit. Beschönigung wirkt wie ein Geständnis mit Verzögerung.

Benenne den Rahmen selbst, bevor ihn jemand anders setzt. Wie stark der gesetzte Rahmen die Bewertung steuert, beschreibt das Framing. Und geh nicht in die Rolle des Opfers: Das Drama-Dreieck ist der schnellste Weg, Verbündete in Retter oder Verfolger zu verwandeln.

Gute Formulierungen klingen so: „Stand heute fehlen uns 180.000 Euro Liquidität bis Ende November. Hier ist, was wir tun. Am 15. melde ich mich mit dem Zwischenstand, auch wenn er schlecht ist.“

Banken, Lieferanten, Finanzamt

Diese drei bewerten unterschiedlich. Die Bank prüft Plausibilität, der Lieferant prüft Verlässlichkeit, das Finanzamt prüft Fristen.

  • Bank. Zahlen vor dem Gespräch schicken, im Gespräch den Plan verteidigen, nicht die Vergangenheit.
  • Lieferant. Einen kleineren Betrag zusagen und halten, schlägt einen großen zusagen und reißen.
  • Finanzamt. Früh und schriftlich. Stundung wird selten gewährt, wenn sie erst nach der Mahnung beantragt wird.

In allen drei Fällen verhandelst Du. Die Werkzeuge dafür sind dieselben wie am Verhandlungstisch, nachzulesen unter Preisverhandlung führen und FBI Verhandlungstechniken.

Was das Team hören muss

Drei Dinge, in dieser Reihenfolge: Was ist die Lage. Was heißt das für mich persönlich. Wann höre ich das nächste Mal davon.

Die zweite Frage wird fast immer übergangen, obwohl sie die einzige ist, die im Raum steht. Wer sie nicht beantwortet, bekommt Gerüchte statt Mitarbeit.

Ein fester Rhythmus schlägt jede Rundmail. Gleicher Tag, gleiche Uhrzeit, gleiches Format, auch wenn es nichts Neues gibt. Gerade dann.

Wo die Kommunikation endet

Es gibt einen Punkt, an dem Kommunikation nicht mehr das richtige Werkzeug ist. Sobald gesetzliche Fristen laufen, entscheidet nicht mehr die Formulierung, sondern der Zeitpunkt der Anzeige.

Dieser Artikel ist Kommunikationsberatung, keine Rechts- oder Insolvenzberatung. Wenn Fristen im Raum stehen, gehört der Fall am selben Tag zu einem Fachanwalt oder einem Insolvenzverwalter. Alles andere ist ein teurer Umweg.

Häufige Fehler

  • Warten, bis die Lösung steht, bevor das Problem benannt wird.
  • Allen gleichzeitig dasselbe sagen und damit die Falschen zuerst informieren.
  • Zusagen machen, die vom Verhalten anderer abhängen.
  • In die Opferrolle gehen und damit Verbündete in Richter verwandeln.
  • Kommunizieren statt handeln, wenn Fristen laufen.
★★★★★4,7 von 5 Sternen aus über 550 Bewertungen, von Selbstständigen bis zu Fach- und Führungskräften aus Konzernen wie Allianz und Accenture.

Häufige Fragen zur Krisenkommunikation

Kostenfreies Video + PDF

10 Wörter, die Dich Umsatz kosten.

Sie stehen auf Deiner Website. Du hast sie hingeschrieben, weil sie professionell klingen. Genau deshalb sind sie teuer.

Jetzt die 10 Wörter sichern

Verwandte Themen

Über den Autor

Matthias Christian Bullmahn

Verkaufspsychologie, Storytelling und Verhandlung

Matthias Christian Bullmahn, TÜV-zertifizierter Experte für Verkaufspsychologie
TÜV-zertifizierter Experte für VerkaufspsychologieCEBN®-zertifizierter VerhandlerFBI-Crisis-Negotiation geschultMimikresonanz® & Motivkompass©10.000+ trainierte MenschenCo-Autor Springer Gabler

Matthias Christian Bullmahn unterstützt Coaches, Berater, Agenturen, Selbstständige und KMUs dabei, sich als unverwechselbare Marke zu positionieren, ihre Preise selbstbewusst durchzusetzen und Premium-Wunschkunden zu gewinnen, die bleiben. Seine Überzeugung: Menschen kaufen von Menschen, nicht von Angeboten. Dafür verbindet er wissenschaftlich fundierte Verkaufspsychologie mit Storytelling und Verhandlungstechniken, die in der Praxis wirklich funktionieren.

Matthias Christian Bullmahn ist TÜV-zertifizierter Experte für Verkaufspsychologie, ausgebildet bei Matthias Niggehoff, einem der bekanntesten, auch aus dem Fernsehen bekannten Verkaufspsychologen im deutschsprachigen Raum. Er ist zudem CEBN®-zertifizierter Verhandler, zertifiziert bei Andreas Winheller, und zertifizierter Storytelling-Coach.

Seine ersten Berührungspunkte mit professionellem Verhandeln sammelte er bei Scotwork (weltweit ältester Verhandlungsspezialist, seit 1975). Anschließend bildete er sich konsequent zum Verhandlungsexperten weiter bei Andreas Winheller (ausgebildet am Harvard Program on Negotiation, PON), dessen Ansatz konsequent wissenschaftlich fundiert ist.

In einem gemeinsamen Training von Andreas Winheller und dem ehemaligen FBI-Chefverhandler Gary Noesner wurde er persönlich im FBI-Crisis-Negotiation-Konzept geschult. Sein Wissen vertiefte er in einem Seminar bei Nicky Perfect (ehemalige stellvertretende Leiterin der Hostage & Crisis Negotiation Unit von New Scotland Yard) sowie auf Workshops und Vorträgen auf der Negoticon in Prag. In seiner Laufbahn hat er Verträge mit zweistelligen Millionenbudgets verhandelt.

Storytelling lernte er bei Bernhard Kalhammer und Grimme-Preisträger Uwe von Grafenstein (Programm „Geschichten, die verkaufen“), nach dem Prinzip der Heldenreise, das auch Hollywood und Disney nutzen. Für die motivorientierte Kundenansprache nutzt er den wissenschaftlich fundierten Motivkompass© von Dirk Eilert; bei Eilert ist er zudem in Mimikresonanz® und emTrace® ausgebildet, dem präzisen Lesen von Mimik und Emotionen.

Über 10.000 trainierte Personen aus Konzernen, Behörden, dem Mittelstand und der Selbstständigkeit sowie seine Tätigkeit als Co-Autor des Springer-Gabler-Verlags unterstreichen seine langjährige Praxiserfahrung. In seinem Podcast „psychologie, die verkauft“ vermittelt er praxisnahes Wissen zu Verkaufspsychologie, Storytelling und Verhandlungsführung. Weitere Informationen unter www.matthiasbullmahn.de/presse.

Matthias Christian Bullmahn steht für Interviews, Expertenstatements und Hintergrundgespräche zu den Themen Verkaufspsychologie, Verhandlungsführung und Unternehmenskommunikation zur Verfügung.

Pressekontakt

Matthias Christian Bullmahnpresse@bullmahnconsulting.de+49 162 3786 024www.matthiasbullmahn.de/presse